Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Plastik von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1636711
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1639575
Viertes Kapitel. 
bei den Römern. 
Die Bildnerei 
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gewahrt, und mit tiefstem Verständniss die Bewegung jedes Muskels ent- 
wickelt, so dass die Statue ein Wunder anatomischer Kenntniss genannt 
irerden muss. Allein ihr geistiger Gehalt ist gering, kein Zug innerer 
Errelgung wendet sich an unser Mitgefühl, und wir erkennen, dass eine 
kühle Reflexion, nicht hinreissende Begeisterung das Ganze hervorrief. 
Während daher die formelle Behandlung viel Verwandtes mit dem ster- 
benden Gallier und der ludovisisehen Galliergruppe zeigt, entbehrt das 
Werk jedes Funkens von jenem tiefen Pathos, das uns dort tragisch er- 
schütterte. Wir werden lebhaft interessirt durch die glänzende Lösung 
eines schwierigen Problems, aber unser Herz ist dabei keinen Augenblick 
betheiligt. 
V01] einem kleinasiatischen Künstler rührt ferner das zu London 
im Britischen Museum befindliche Relief der Apotheose Homers, insehrift- 
lieh von Archeluos aus Priene. In dem alten Bovillae gefunden, ist es 
wahrscheinlich für ein dortiges Heiligthtnn im Auftrage des Tiberius ge- 
arbeitet worden. In diesem Werke macht sich aber neben frostiger Alle- 
gorie eine bedenkliche Entartung des Reliefstyls in's Malerische und eine 
ilaue Behandlung geltend, so dzlssf das kleine Denkmal, bei allem sach- 
lichen Interesse, künstlerisch keineswegs hervorragt. 
Bedeutender waren offenbar einige andere Künstler, deren  
nicht nachzuweisen ist, von denen wir aber genug erfahren, um ihnen 
neben den neu-attisehen und kleinasiatisehen eine selbständige Stellung 
anzuweisen. Dahin gehört Arkcsilaos, der besonders wegen der Vorzüg- 
liehkeit seiner mit grösster Sorgfalt durchgeführten Thomnodelle so hoch 
geschätzt war, dass man dieselben theurer bezahlte als die fertigen Bild- 
werke anderer Meister. Für den im Jahre 46 v. Ohr. von Cäsar geweihten 
Tempel der Venus Genetrix arbeitete er die Statue der Göttin, die in meh- 
reren Nachbildungen auf uns gekommen ist. Sie scheint von den früheren 
 Aphrodite sich (lureh vollere Formen und'einen mehr 
frauenhaften Charakter unterschieden zu haben. Dazu kam noch, gegen- 
über den nackten oder halbnaekten Bildern, die völlige Gewandnng, die 
jedoch selbst in den Nachbildungen mit grösster Feinheit darauf berechnet 
ist, dass die Formen höchst effektvoll durch den zarten Stoff hindurch 
Apotheosc 
Runner's. 
Andere 
Künstler, 
schimmern. F ür Lueullus arbeitete der Kleister um 60000 Sesterzien eine 
Statue derFelieitas, welche, als der Besteller bei Philippi gefallen war, 
unvollendet blieb. Eiltllieh hatte er auch (las humoristische Genrebild 
einer nlarinornen Löwin geschaffen, ufelehe von sehelmisehenv Aniorinen 
gebändigt und geneekt ururde.  Sein Zeitgenosse war Pasilcles, ein un- 
 Grieche, der für Poinpejus und Augustus arbeitete und (lureh 
Vielseitigkeit der 'l'eehnik in Goldelfenbein, lllarnlor, Silber und Erz,
        

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