Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Plastik von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1636711
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1639523
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Zweites Buch. 
nstler um 
 v. Chr. 
Die neu- 
attischc 
Schule. 
Torso des 
Belvedere. 
zu WVerke gehtnnd die göttliche Inspiration der Zeiten eines Phidias, 
Skopas und Praxiteles nicht mehr zu erreichen vermag. Denn da liegt 
die Grenze, welche selbst der geistvollsten Reprodnction gezogen ist. 
Unter den Künstlern, durch welche um llöO V. Chr. der griechische 
Einfluss in Rom zur Herrschaft gelangte, werden mehrere genannt  die 
allem Anscheine nach "durch Metellus aus Griechenland berufen waren. 
Dahin gehört T ilnarchidav, welcher für den von Metellus erbauten Por- 
ticus der Octavia eine Statue des Apollo mit der Kithztra schuf, dahin 
sein Sohn Dionysrios, welcher in Verbindung mit dem Athener Polylrles" 
das Goldelfenbeiilbild eines Juppiter für den in der Nähe befindlichen 
Tempel des Gottes arbeitete. Von demselben Polykles wird die Statue 
eines Hermapliroditen gepriesen, ein Gegenstand, der gewiss schon früher 
in der griechischen Kunst behandelt worden war, (lnrch das Weichlich- 
Ueppige der sinnlichen Auffassung aber gerade (lieser Slaäitzcit besonders 
zusagen mochte. Das scheinen die vielfachen Denkmale solcher Art, be- 
sonders die mehrfach vorkommende Statue eines in nnruhigem Schlafe 
daliegenden Hermaphroditen (zwei Wiederholungen allein im Louvre zu 
Paris) zu bezeugen. 
Wichtiger als diese vereinzelten Nachrichten von untergegangenen 
Werken ist eine Reihe vorzüglicher Denkmäler, in welcher uns die 'l'ha- 
tigkeit der neuattischcn Schule in ihrer ganzen Bedeutung entgegentritt. 
lleberwiegend im Kreise idealer Anschauungen sich bewegend, bieten 
sie uns in mehr oder minder freier Nachbildung, oder doch in treuer 
Anlehnung glänzende Reproductionen von Meisterwerken der Blüthezeit. 
Dies gilt in erster Linie von dem berühmten Torso des Bclvcdere zu 
Rein, inschriftlich einem Werke des Atheners Ap0ZZOni0.s' (Fig. 93). 
Wahrscheinlich ist dies derselbe Künstler, der zu Sullais Zeit für den 
ilach einem Brande erneuerten Tempel des capitolinischen Jnppiter die 
Goldelfenbeinstatue des Gottes arbeitete. Der Torso, welcher im Anfange 
des 16. Jahrhunderts an einer Stelle gefunden. wurde, wo ehemals das 
'I'heater des Pompejus gestanden hat, giebt uns höchst wahrscheinlich 
nach dem Vorbild eines lysippischen Originals die Gestalt des von müh- 
seliger Arbeit ausruhentlen Herakles. Auf einem Felsen sitzend, den 
mächtigen Oberkörper nach vorn neigend, scheint der Heros sich auf 
seine Keule gestützt zu haben. S0 grossartig die Anlage des Ganzen, so 
mächtig und ideal im Allgemeinen die Auffassung der Formen ist, so zeigt. 
sich doch in der übertrieben weichen und auf den Effekt berechneten 
Durchführung die Richtung einer Kunst, welche die erhabne Einfachheit 
einer früheren Zeit nur auf dem Wege einer äusserliehen ll'l3lJlC-l' wieder- 
zugeben vermag. Es versteht sich, dass dies Urthcil nur auf einem Ver-
        

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