Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Plastik von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1636711
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1637308
Einleitung. 
endlichen Formen das 
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vernlählt, erreicht sie in neuer Weise das Ziel, 
Walten des Unendlichen zu offenbaren. 
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Ler Styl 
 Der Styl, der aus solchen Vorgängen und Wandlungen hervorwitchst, 
zeigt freilich beilcutsame Unterschiede gegen den strengen plastischen 
Styl der illntikc. Er legt weit grössercn Nachdruck auf die Ausbildung 
des Kopfes und geht in den Zügen des Angesichtes jeder Linie, die ein 
charakteristisch Besonderes ausspricht, mit Sorgfalt nach. Was in den 
antiken Idealbildern vom Lächeln ewiger Schönheit umflossen war, das 
muss hier durch den lebendigen Wiederschcin der Seele, (lurch den Ab- 
glanz des individuellen Geistes verklärt werden. Der übrige Körper gilt 
nur noch als Träger des Hauptes, der aber selbst durch die verhüllcnde 
und entstellende Tracht den Ausdruck des Willens, die Bestimmtheit des 
Charakters, die Bedeutung der Persönlichkeit zu erkennen geben muss. 
Auch hierin liegt also der Nachdruck auf dem Geistigen, tmd dadurch 
allein wird der Bruch zwischen Geist und Natur vermieden, da es sich 
nirgends mehr um die Schönheit der körperlichen Form, sondern selbst 
im Gewande um die innere Physiognomie der besondern Zeit, das Charak- 
tergepräge des einzelnen Menschen handelt. Wo sich nun so viel Zufälliges 
und Ungünstiges aufdrängt, da gelangt zu voller Bedeutung, was der Bild- 
hauer aus dem Studium der Antike an Gefühl für Schönheit und Ilarmcniie 
gewonnen hat. Kaum merklich für den oberlläichlichen Beobachter, wird 
seine Kunst dem scharfen Gepräge des Besonderen so viel Fluss und 
Rundung zu geben wissen, dass aus der Darstelhmg eines durch und 
durch charaktervollen Sonderlebens ein Nac-hhall idealer Schönheit im 
edlen Rhythmus dem sinnigen Beschauer wohlthuentl entgegen klingt. 
Bei solcher Auffassung werden wir den späteren Entwickelungsg-aug 
der Bildnerei nicht schlechthin als Abfall und PIntartung bezeichnen, son- 
dern mit Aufmerksamkeit die denkiviirdige Geistesthat verfolgen, durch 
welche die Plastik aus ungünstigen Bedingungen und einer scheinbar feind- 
lichen Weltanschauung ein neues Leben und selbständige Geltmig für sich 
zu erringen wusste.
        

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