Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Plastik von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1636711
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1639427
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Zweites Buch. 
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erinnern im rein Ornamentalen wie im Figürliehen an die Kunstwerke 
von Ninirud. So die in V olutcn auslaufenden und mit Palmetten verbun- 
denen Spangen, die wie eine Bordüre oft ein Schmuckstück einfassen; so 
die häufig angewandten geflügelten Stier- und lßlensehengestalten, die 
Ilarpyien und andres Phantastische. Aber selbst bei den Kandclztbern 
gemahnen die meist kleinliehen, vielfach gebrochenen, scharf uuterschnit- 
tenen Profile an Geräthe, die wir aus den Reliefs von Ninive als Erzeug- 
nisse assyriseher Kunstdrechsler kennen. Ausserdem begegnet uns in 
manchen Schmucksachen etruskischer Gräber eine reichliche Anwendung 
rein linearer Verzierungen, aus geraden Strichen, Kreisen und Spiralen 
bestehend, wie sie an den Geräthen keltischer Gräber und an den Säulen 
des Seliatzhauses zu Mykenae wiederkehren. 
Die späteren Werke zeichnen sich sodann durch die edle Anmuth 
griechischer Ornamentil: aus, welche oft in hoher Schönheit von etrns- 
kischen Goldarbeitern und Erzbildnern fast bis zu völligem Aufgeben 
ihrer nationalen Eigenthümliehkirit nachgeahmt wird. Wo aber  und 
das ist in den meisten Bronzeiverken der Fall  der etruskisehe Kunst- 
geist trotz der fremden Details seine Selbständigkeit bewahrt, da erkennt 
man ihn sogleich an dem hlangel jenes feinen Gefühles für organischen 
Zusammenhang, das nur den Griechen eigen ist. Namentlich bieten die 
Kandelaber und die Vasen zahlreiche Beispiele solcher Art. Einzelne 
Theile sind oft von grosser Schönheit, aber ihre Zusammenfügung entbehrt 
der Harmonie, so dass das Ganze äusserlich verbunden, nicht innerlich 
aufgewachsen zu sein scheint. Eckige Profile, schroffe Unterschneidungen, 
unmotivirtes Abbrechen der Linien eharaktcrisirt die Mehrzahl (lieser Ar- 
beiten. Dazu kommt, dass an Füssen, l-Ienkeln, Deckeln oder Krönungen 
mancherlei kleine Figürchen von Menschen, Thicren oder lahailtastischen 
Gebilden verwendet werden, die entweder durch tinbeholfenes (iebahreu, 
ungeschiekte Verbindung oder geradezu durch spukhafte Missgestalt auf- 
fallen. So giebt es, namentlich an Ilenkeln von Vasen oder an Leuchter- 
füssen, ungeheuerlich dünne, in die Länge gezogene Figürchen, die durch 
bizarre Uebcrtreibung geradezu unheimlich wirken. 
Diese kurze Umschau auf einem Gebiete, das nur mittelbar mit der 
plastischen Kunst zusammenhängt, mag uns nun zur Betrachtung der 
Bildwerke selbst geleiten. Dass die Thonbildnerei bei den Etruskem in 
altestei- Zeit schon mit lürfolg geübt wurde, Üwälllltßll Wir bereits. Aus 
der Thonplastik ging aber bald der Erzguss hervor, den dies Volk mit 
nicht geringerer Kunstfertigkeit handhabte. Diesem Materiale saugt die 
 scharfe, harte Formbezeichnung zu, die mit einer gewissen Uebertreibuug 
in allen älteren etruskisehen Werken vorherrseht. Daneben sind zahlreiche
        

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