Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Plastik von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1636711
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1639380
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Zweites Buch. 
ständige schöpferische Thatigkeit der griechischen Plastik absehliesseir, 
so werden wir sie doch nicht als „ ideale " Darstellungen auffassen, und 
eben deshalb auch die Schule von Pergamos nicht als eine solche bezeich- 
nen können, „die sich fast mit der grössten und erhabensten  
der früheren Perioden in eine Reihe stellen darf," wie das kürzlich ge- 
schehen istö). Vielmehr sehen wir in ihnen die griechische Kunst einen 
durchaus neuen Weg beschreiten, den des historisch Charakteristischen, 
und dadurch einer späteren Entwicklung neue Bahnen eröffnen. Dagegen 
ist kaum eine grössere Kluft zu denken, als die zwischen den idealen 
Kampfbiltlern periklcisehel-Zeit und diesen Seenen pergamenischei- Gallier- 
sehlaehtenöö). Und doch war die griechische Kunst nichtin einem Sprunge 
(lahin gelangt, solidem sie schritt von idealen Götterbildern allmählich 
zur Darstellung individuellen Lebens und endete dann damit, auch das 
Individuelle eines nicht griechischen, eines barbarischen Raqcntypus, trotz 
des Mangels angebornei' Schönheit und harmonischer Ausbildung des 
Körpers, in den Bereich ihrer rkuffassung hineinzuziehen. Damit ist (lenu 
die Grenze der griechischen Anschauung und mit ihr der Schluss einer 
selbständigen originalen Kunst erreicht.  
 S0 Overbeck, Griech. Plast. II. S. 158. 
M) Wenn Overboulv, a. a. O. Arunerk. 18 zu S. "147 meint, man werde die 
Gruppe, zu welcher beide Werke gehören, „kaum für etwas Anderes als für eine 
Giebelgruppe halten dürfen", und wenn er die dagegen erhobenen Bedenken „wenig 
erhebliche" nennt, so bin ich überzeugt, dass die Betrachtung der Originale ihn seit- 
dem von der Unwahrseheinlichkeit seiner Annahme überzeugt haben wird. Jedes 
dieser Werke ist für sich abgeschlossen und gerundet, wie selbst die sorglich aus- 
geführten Basen bestätigen; jedes ist mit einer radinirten Genauigkeit vollendet, die 
offenbar auf ein Betrachten aus der Nähe rechnet, ebenso ist namentlich bei dem 
sterbenden Gallier des Capitols auch die Rückseite so (lurehgebildet, dass eine 
allseitige Betrachtung offenbar vorausgesetzt ward. Daher bin ich überzeugt, dass 
die Aufstellung der einzelnen Gruppen und Statuen, zu denen die beiden erhaltenen 
verrnuthlich gehörten, auf einem üdentliclien Platze. in einem Porticus oder dergl. 
auf mäissig hoben Postzunenten bewirkt war.
        

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