Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Plastik von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1636711
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1639252
Zweites Kapitel. 
Die griechische Plastik. 
Geschichtliche Entwicklung. 
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werden der Parthenonsculptilrcn sanimt der übrigen ächtgriechischen 
Plastik auf (las richtige Maass historischer und ästhetischer Würdigung 
zurückgeführt worden ist WVii' haben es also an einzelnen Orten, wo die 
Xierhältnisse der Zeit sich als günstige erwiesen, mit einer höchst bedeu- 
tenden Nachblüthe griechischer Plastik zu thun, die wir nunmehr gesondert 
betrachten. 
Rhodos 
VOIl 
Schule 
Die Schule von Rhodos knüpft an die des Lysippos an und ist 
also der letzte Ausläufer der peloponnesisr-hen Kunst. DcrLindier Ohares 
war es (S. 194), der als Schüler des grossen sikyonisehen Meisters die 
Kunst desselben nach Rhodos vcrpiianzte. Sprach sich aber in seinem 
Koloss des Sonnengottes bereits eine bedenkliche Richtung i1i's Ueber- 
triebene aus, so haben wir dieselbe geradezu aus einer Vorliebe der 
Rhodier zu erklären; denn Plinius erzählt, dass ausser dem Sonnengott, 
dem riesigsten Werke antiker Plastik, noch hundert andere Kolosse die 
Stadt geschmückt hatten. Wir glauben (larin den Uebermuth einer reichen 
llandelsstatlt- zu erblicken, dem es bei künstlerischen Unternehmungen in 
der Regel mehr auf prunkende Darlegung ungeheurer Mittel, also auf un- 
gewöhnliche Grösse und kostbare Stoffe, als auf die Idee und die Schönheit 
ankommt. Bezeichnend ist ferner für die Rhodier, dass wir bei ihnen in 
der friihern Zeit keine Pflege der Kunst nachzuweisen vermögen, sondern 
dass erst jetzt in ihrer glänzenden Blüthe sie sich auch diesen Luxus  
denn anders wird die Kunst bei ihnen nicht angesehen  zu verschaffen 
suchen. Ausserdem sind erst unlängst auf der Akropolis von Lindos durch 
Ludwig Ross viele Inschriften entdeckt werden, die eine Anzahl von 
rhodischen und auswärtigen Künstlernamen ergeben und den Beweis 
liefern, dass Rhodos während dieser ganzen Epoche der Sitz einer regen 
plastischen Thätigkeit war, an welcher nicht blos einheimische, sondern 
auch andere kleinasiatisehe Künstler betheiligt waren. Meistens beziehen 
sich die Inschriften auf Portraitstatucn von Priestern, mehrmals linden sie 
sich dagegen auf Postamenten, deren Ausdehnung auf grössere Werke, 
namentlich auf Gruppen hinweist. 
Von Bedeutung ist sodann eine Notiz bei Plinius über den rhodischen 
BildnerArisvfmzidctv, der eine Statue des reuigen Athamas geschaffen. Der 
Heros, welcher in einem Anfall von Raserei seinen Sohn Learchos getüdtet 
hätte, war dargestellt, wie er voll Reue und Scham über seine That dasitzt. 
Um aber die Schamröthe auszudrücken, habe der Bildhauer, so erzählt 
Plinius, dem Erz einen Zusatz von Eisen gegeben. Wenn wir diesen 
Prozess auch für eben so unwahrscheinlich halten, wie jene Silberbei- 
Schu 
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Aristonidns.
        

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