Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Plastik von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1636711
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1639240
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Zweites Buch. 
liegen; (lass weder in Athen noch in Sikyon, noch in anderen Städten 
Griechenlands Namhaftes geleistet wird, dass vielmehr fremde Monarchen 
Kunstwerke nach Athen stiften oder dort neue Gebäude errichten, während 
das Volk in Apathie versunken ist. 
In Athen wüssten wir nur ein Werk, (Jbendrein am Ende dieser 
Epoche, namhaft zu machen: die Reliefgestalten der aeht Winde, am Friese 
des von Andronikos aus Kyrrhos erbauten „'Phurmes der Winde." 
Die Charakteristik dieser Gestalten giebt recht lebendig das rauhere oder 
weichere, das stürmische oder milde Wesen der verschiedenen Winde 
wiederif); doch die Anordnung, namentlich die schwebende Bewegung, 
xierräth eine gewisse Schwerfälligkeit, und die Behandlung leidet an Mat- 
tigkeit. Wenn daher Plinius in einer bekannten Stelle sagt, nach der 
12.1. Olympiade habe die Kunst aufgehört und erst in der 156. Olympiade 
sich wieder erhoben, so hat der Satz eine gewisse Wahrheit. Dennoch 
ist die Lebenskraft der griechischen Plastik so ausdauernd, dass selbst 
in dieser Zeit noch einzelne Werke geschaffen werdenßdie eine ganz 
neue Saite anschlagen und also in gewissem Sinne sogar eine weitere 
Fortbildung bezeugen. Wo finden wir aber die bedeutendsten Erschei- 
nungen der Kunst (lieser Epoche? In der üppigen Handelsstadt Rhodos 
und am Hofe zu Pergamos; wo es also galt, ein verweichlichtes Pu- 
blicum von reichen Kaufleuten oder von vcrivöhnten Fürsten salnmt 
ihren Hofleuten durch ungewöhnliche Mittel eines gesteigerten Ausdrucks 
zu befriedigen. Eine ganz ähnliche Erscheinimg bietet uns im späteren 
XVI. Jahrhundert die venezianische Malerei, die noch ein Mcnschenaltcr 
lang sich in glänzender Blüthe erhielt, nachdemsdie übrigen italienischen 
Schulen langst manieiist-ischer Erschlaffung verfallen waren. 
Nur wenn wir diese Stellung der Kunst erwägen, verstehen wir ganz die 
Bedeutung ihrer Leistungen, im Vergleiche mit denen früherer Epochen. 
Fragen wir aber, was ein solches Publicum vorzüglich interessiren muss, so 
wird es das sinnlich Reizende, das pathetisch Atfektvolle sein, im Bunde mit 
virtuosenhafter, auf raffinirten Effekt zielender Behandlung. Das finden 
wir denn auch in den Meisterwerken dieser Epoche. Dass aber, von 
diesem Standpunkte der Betrachtung, die besten Leistungen der Zeit über- 
haupt zum Trefflichsten gehören, was wir aus dem Alterthume besitzen, 
muss hier sogleich, um einen unrichtigen Maasstab zurückzuweisen, ganz 
bestimmt betont werden. Vergessen wir nicht, dass darunter Werke sind, 
welche Winekelmann noch zu den vorzügliehsten Schöpfungen des Alter- 
thums rechnete, und deren höchste Verehrung erst durch das Bekannt- 
bei Slunrl, 
antiquities I,
        

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