Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Plastik von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1636711
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1639169
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Zweites Buch. 
Schl 
Lys 
le des 
:ppos  
Euthykrates. 
Eutychides. 
hier ein nach dem Leben genommener Abguss der Arbeit zu Grunde lag. 
Die jetzt versclnvundenen eingesetzten Augen müssen den Eindruck des 
Lebens bis zur 'l'auschung gesteigert haben. 
An Lysilapos schliesst sich eine grosse Zahl von Schülern, sodass 
sein Einfluss durch Unterweisung und Lehre mit seinem künstlerischen 
Schaffen an Viürkszunkeit uctteifci-t. Zunächst sind seine Söhne zu 
erwähnen, unter denen Eullzylrrales die erste Stelle verdient. Man kannte 
von ihm nicht blos einen Herakles und eine Alexandcrstatue, sondern auch 
die umfangreiche, zu Thcspiae aufgestellte (iruppe eines Reitcrgcfirchtes, 
welches xiermuthlich die Darstellung einer bestimmten Schlacht enthielt. 
Ausserdcm bezeugten (ienrebilder, l-Tiergcspanne, Jagdhunde, Portrait- 
statuen die Vielseitigkeit seiner Begabung, in welcher sich die Kunst 
seines Vaters manniehfach spiegelt." wDoeh scheint er mehr das streng 
Stylvolle, als das edektitoll Elegante der Werke seines Vaters sich zum 
Muster genommen zu haben.  Sein Bruder Dayßpes ist nur aus Athleten- 
bildern und einem sich mit dem Schabcisen reinigenden Ringer bekannt. 
Von dem (lritten Sohne des Lysippos Boiidas wird nur die Statue eines 
Betenden angeführt, den man in der herrlichen Erzligur des betenden 
Knaben im Museum zu Berlin hat vermnthen wollen. Wenn dieser An- 
nahme von Andern widersprochen wird, so lässt sich doch Wesentliches 
anführen, was für die Wahrscheinlichkcit, wenn auch nicht für absolute 
Gewissheit spricht. Dahin rechne ich vor allem die leichten Verhältnisse, 
den schlanken Bau der Gestalt, die feine, zarte und doch keineswegs 
weichliche Form der Glieder, die in ihrer schönen Harmonie die vollen- 
detste Charakteristik des zum Jünglinge sich entwiekel11(le11 Knabcnailters 
gewähren. Alles dies spricht für lysippische Zeit und Schule; dafür auch 
die unübertretfliehe Feinheit und Lebcnswahrheit, der naive, reinc Aus- 
druck des Kopfes, der eine Verwandtschaft mit dem des Apoxyoinenos 
im Vatican verräth. An (lieselbe Statue erinnert endlich der leise Schwung, 
der harmonische Rhythmus der Bewegung, die selbst in den erhobenen 
Armen die schönste Rundung, den weichsteil Fluss zeigt, ferner das 
leichte Ruhen auf dem etwas vertretenden linken Fusse, während das 
rechte Bein, etwas angezogen, nur auf den Zehen getragen wird. Dies, 
Schweben zwischen Ruhe und Bewegung, das auch im Apoxyomenos jede 
Linie bestimmt, scheint in Verbindung mit dem Charakter der Formen, 
der scharfen und doch tlicssendcn Zeichnung der Glieder, dem Ausdruck 
des Kopfes, dem gesammten Köiperverhaltniss auf lysippische Schule zu 
weisen.  
Von (len übrigen Genossen dieser Schule ist zunächst bYetgß-lzirhnv zu 
nennen, von dem eine Darstellung der Stadtgöttin Antioclnizr am Orontes
        

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