Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Plastik von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1636711
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1639112
Zweites Kap 
Die griccl 
1iscl1c Plastik. 
Gcschichtl 
ichc Entwicklung. 
187 
DicKünstler 
des Polop ohnes. 
Ausserhzilb Athens ist auch in (lieser löpoehc der Pelopennes ein 
Hauptsitz künstlerischer 'l'hä.tigkeit. Lysipp0s' steht an der Spitze der 
Meister, welche die von Polyklet zur freien Vollendung (lurehgeführte 
Richtung dem Geiste der neuen Zeit gcmiiss umgestalten sollten. Aus 
Sikyon gebürtig, war Lysippos in seiner Jugend Erzarbeiter und bildete 
sich ohne Lehrer (lureh eigenes Studium zu einem Künstler aus, der die 
pelopennesisehe Plastik zwar nicht in neue Bahnen lenkte, wohl aber 
sie von ihrer Grundlage aus zu vielscitigerer, lebensv01lerei' Eiltwick- 
huig führte. Die Blüthc seiner künstlerischen Thätigkeit fallt in die 
Zeit Alexanders. Der grosse König schätzte und begünstigte den be- 
rühmten pelolmennesisehen Meister so sehr, dass er nur von ihm plastisch 
dargestellt, wie er nur_ von Apelles gemalt, nur von Pyrgoteles in Stein 
geschnitten sein wollte. Wenn von Lysippos berichtet wird, er habe 
1500 Werke geschaffen, so liegt in (lieser vielleicht übertriebenen A11- 
gtibe wenigstens die Andeutung einer ausserordentliehen Fruchtbarkeit, 
die sich auf eine seltene llieisterschaft in Behamlliiiig der lürzplastik 
stützte, derjenigen Technik, welcher er i1llSSCilii6SSii(til in allen seinen Ar- 
beiten huldigte. Das Erz aber eignet sich weniger für Idealgestalten, am 
wenigsten für die Gebilde anmuthig weicher Weiblichkeit. Es hängt 
daher mit jener Wahl des lllateriales innig zusammen, dass Lysippos 
Kunst eine naturalistisehe war und vorzüglich der Darstellung männlicher 
Gestalten sich hingab, Aber auch auf diesem besondern Gebiete erscheint 
LYSippoÄ. 
bleiben. Geschickt ist namentlich die Anordnung, dass die Amazonen fast stimmt- 
lieh beritten sind, wodurch eine allerdings bisweilen zu regelmiissige, selbst mono- 
tone Eintheilung herbeigeführt wurde.  Die Motive der Bewegung sind meist leben- 
dig und voll Energie, nur ist dieselbe den robusteren Gestalten entsprechend nicht 
so feurig, so spriiheud, wie die zu Bassae, mehr durch die körperliche XVueht als 
durch geistige Erregung, mehr durch Heftigkeit als durch Leidenschaft hervor- 
gerufen. Daher kommen denn auch viel mehr Rehheitcn im Kampfe vor, und wenn 
die Griechen des Friescs von Bassae wie Ritter kämpfen, so verfahren die von 
Maguesia durchaus wie Soldaten. Wenn daher in Bassae nur ausnahmsweise eine 
Amazone am l-Itiar gepackt wird, so sieht man sie hier in den verschiedensten 
Stellungen an den Haaren heruntergerisscil und zu Boden geschleift. Rechnet man 
dazu die römische Kriegertraeht, die bei vielen der Kämpfer den sclnrerfäilligen 
Eindruck der Körper noch verstärkt, indess in Bassae fast alle männlichen Ge- 
stalten nackt sind; ferner die Höhe des Reliefs, welches das iiusserste Maass der an 
griechischen Werken üblichen Ausladung übersteigt, so wird die Annahme, dass 
diese Werke römisch und nicht griechisch seien, dadurch weitere Bestäitigxmg ge- 
winnen. (Abbildungen des ganzen Frieses bei Clarac, Musee de Sculp. II. 
pl. 117 
        

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