Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Plastik von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1636711
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1639105
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Zweites Buch. 
anderer weiblicher Kopf, ebenfalls von grosser Weichheit und von 
frischem jugendlichen Reiz, wurde, ganz gesehwärzt vom Feuer, im Ka- 
min eines türkischen Ilauses vermauert gefunden. Vor allem erscheint 
aber die kolossale Statue des Mausolus von hohem Interesse, schon 
als eines 
bildnerei. 
der frühesten erhaltenen Originalwerke griechischer Portrait- 
Die Gestalt ist bis auf den linken Fuss und die beiden Arme 
wieder vollständig zusammengesetzt werden. Der Kopf zeigt mit seiner 
breiten Stirn, den derben, festen Kinnbaeken, dem krauscn Bartflauln an 
wohlgerniideter Wange, dem kleinen Bart auf der Oberlippe und der An- 
ordnung des kurzen, lockigen Haares ein durchaus individuelles Gepräge, 
dem selbst der eigenthümliche Wurf des Mantels entspricht. Dennoch ist 
ein idealer Zug in der Weichen Behandlung des Nackten, in der gross- 
artigen, mit einer effektvollen Einfachheit angeordneten Gewandung nicht 
zu verkennen. Von dem Viergespann haben sich das Vordertheil des einen 
der inneren Pferde sannnt Resten des bronzenen Gebisses, sowie das 
Plintertheil des einen der äiusseren erhalten. Die Behandlung ist in grossen 
Massen mit festen und kraftwmllen Formen in einer gewissen derben Tüch- 
tigkeit durchgeführt; man erkennt darin die voruaalfende Berechnung der 
Fernwirkung. An den Bruchstücken der zwölf Löwen zeigt sich dieselbe 
breite, sogar etwas dekorative Haltung, während die seitwärts gewandten 
Köpfe eine (letaillirtere, weichere, mehr naturalistisehe Ausführung haben. 
Das ist das Wichtigste von den Ueberbleibseln eines Denkmals, auf dessen 
ursprüngliche Pracht selbst diese. zertrümlnerten Reste ein glänzendes 
Licht werfen   
i) Hier würden auch die im Louvre zu Paris belintlliehcn Reliefs vom 'l'einpel 
der Artemis zu Magnesia am Mäander einzureihen sein, wenn dieselben nicht 
ihrem ganzen Kunsteharakter nach sieh als YVerke der römischen Epoche zu er- 
kennen gäben. Es ist eine der ausgedehntesten Reliefcompositionen des Alter- 
thums; gegen 24!) Fuss lang, während der Fries von Bassae, an welchen der von 
Magncsia zunächst erinnert, nur etwa 100 Fuss Länge hat. Kämpfe mit den 
Amazonen sind das ausschliessliehe Thema dieser umfangreichen Composition, die von 
Einigen zu hoch geschätzt, von Andern zu wegwerfend beurtheilt worden ist. Mit 
griechischen Werken können sie allerdings weder an Feinheit des Styls, noch an 
Adel der Auffassung wetteifern. Selbst die überaus kraftvollen, zum Theil sogar 
derben Gestalten des Frieses von Bassae erscheinen diesen schweiiiillig untersetzten 
Körpern gegenüber elegant. Das darf aber nicht hindern, ihre anderen Verdienste 
zu schätzen. Obwohl die Composition wie die Ausführung ungleich sind, obwohl 
manche Motive sich wiederholen, einige geradezu von Bassae entlehnt erscheinen, 
muss man billige Rücksicht auf die ausserordentliche Ausdehnung des Frieses 
nehmen, die manche derartige Bequemlichkeit des Componisten entschuldigt, zu- 
mal immer noch eine gute Anzahl von neuen, trefflich erfundenen Motiven übrig
        

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