Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Plastik von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1636711
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1639074
Zweites Kapitel. 
Die griechische Plastik. 
Geschichtliche Entwicklung. 
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der durch mächtigstes Aussehreiten einer ihm heftig zusetzenden Gegnerin 
ausxreitiht und zugleich in der Vertheidigung auf einen günstigen hloment 
zum Angriff lauert: kühner als diese und manche andre auf den schon 
bekannten Tafeln geschilderte Scenen (Fig. 77) sind selbst die Gruppen 
von Phigalia nicht.   
Fragt man nun nach der Ausführung dieser Werke, so ist dieselbe, 
soweit der zerstörte Zustand die Beurtheilung gestattet, wieder nicht von 
gleichem Werthe; doch sind die Verschiedenheiten nicht solcher Art, daSS 
(laraus die Znsannnengehörigkeit, oder gar die Gleichzeitigkeit der einzelnen 
Theile zu bestreiten wäre. Vielmehr erkennt man bald die weiche, elegante, 
doch schon stark auf den Effekt hinarbeitende Richtung, welche sich 
selbst in den attisehen Werken vom Ausgang der vorigen Epoche, 
namentlich in den Balustradenrcliefs vom Niketempel bereits aussprach. 
Charakteristisch dafür erscheint vor allem die etwas versclnvenderiselle 
Benutzung Hatttermler Gewänder und die Art des Faltenwurfs, die immer 
jene zierlich reiche und weiche, flüssig bewegte der attisehen Schule, 
keineswegs die hastige, scharfe der phigzilisehen Werke ist. Ja, grade 
die Fülle an Motiven einer 1'eize1ule11, schön g1eselnvu11gene11, fein durch- 
gcbildeteil und innner den lebhafteren Bewegungen der Körper ent- 
sprechenden Gewandung ist ein achtes Zeugniss für attisehe lilntstehung 
dieser Reliefs.  Anders verhalt es sich mit einer Anzahl von Zeichen- 
fehlern, die besonders da sich auffallend hol-verdrängen, wo es gilt, beide 
Beine der zu Ross Llahersprengcnden Gestalten zu zeigen. In diesen 
Fallen ist mehrfach das jenseitige Bein viel zu lang gerathen. Theils 
mögen das Flüehtigkeitsfehler sein; grösstentheils mag aber der hohe 
Standpunkt, den die Reliefs (einzunehmen hatten, (liese perspektivischen 
TTnriehtigkeiten ebenso veranlasst haben, wie sich Aehnliehes an den 
Figuren der phigalisehen Friese nachweisen lässt. Allerdings sind wir 
schuldig hinzuzufügen, dass die Verstösse zu I-Ialikzirnass viel augen- 
falliger, viel stärker herxiortretcn als an jenen früheren Wierken. 
Aber ist dies Alles wirklich genügend, den Reliefs die Ehre ab- 
zusprechen, zum berühmten Mausoleum gehört zu haben? mit andern 
Worten, zu behaupten, dass sie nicht von Skopas und seinen Genossen 
herrühren können? Wir wissen allerdings, dass dieser grosse Meister an 
der Ostseite des Mausoleums arbeitete, dass Bryaxis die nördliche, Timo- 
theos die südliche, Leochares die westliche Seite mit Bildwcrken schmück- 
ten. Wenn unter diesen Künstlern Leochares als der einzige bedeuteudere 
bekannt ist, so darf doch gefolgert werden, dass auch die übrigen nicht 
llnwertli gewesen sein müssen, neben einem Skopas zu arbeiten. Da 
ferner Skopas der berühmteste von allen war und langst im Zenith seiner
        

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