Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Plastik von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1636711
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1639056
Zwei tcs Kapitel. 
Die griechische Plastik. 
Geschichtliche Entwicklung. 
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Ausdehnung von SS Fuss 6 Zoll Breite bei 119 Fuss Länge giebt, so 
ist uns selbst von dem Friese nicht einmal der vierte Theil mehr er- 
halten. Ursprünglich also war der Fries von einer Ausdehnung (415 Fuss), 
die nur noch vom Parthenonfriese übertroffen wurde. Dazu kann aber 
ausserdem eine so reiche Ausstattung mit plastischen Werken aller Art, 
mit Löwen, Einzelstatilen, Reiterbildern bis zur Kolossalquadriga des 
hlausolus auf der Platform der Pyramide, dass allein schon die Pracht 
der Ausstattung das Monument zu einem der glanzvollsten des Alter- 
thums, zu einem Wundcrwcrke der WVelt erhob. 
Wenn wir nun die einzelnen Reste näher in's Auge fassen, so (lürfen 
wir nicht verhehlen, dass dieselben von gar verschiedenem Wcrthe sind. 
Das gilt vorzüglich von den Friesen. Sie behandehi das alte Lieblings- 
thema der attisehen Plastik: eine Schlacht derGriechen mit den Amazonen. 
Letztere führen zum Theil den Kampf von ihren Rossen aus, Wodurch die 
Stelle des Lucian ihre Bestätigung findet, der am lilausoleum "Bilder von 
Älännern und Pferden " bezeugt. Die schönsten dieser Relieftateln  und 
dazu gehören sowohl die in Genua als auch die lilehrzahl der im brit. 
Museum befindlichen  zahlen unbedenklich zu den trefflichsteen Werken 
griechischer Kunst. An Adel der Forinbildung werden sie nur von den 
Seulpturcn des Thescion und des Parthenon übertrolfen, an Feuer, Kühn- 
heit und -Gewalt, sowie an Reichthum der Erfindung nur von den 
Friesen zu Phigalia. Im Stylcharakter stelwn sie keinem einzigen Wlerke 
der griechischen Plastik so nahe, wie dem Fries am Niketempel zu 
Athen; ja Alles deutet (lztrauf hin, dass wir in dem Friese voirHalikarnass 
die weitere Entwickelung (ler plastischen Richtung zu erkennen haben, 
Welche jenes kleine, anmuthvolle attisehe Denkmal vertritt. Dies gilt 
nicht blos von den einzelnen Gestalten, deren man mehrere von fast 
überei-nstiinnieiider Haltung nachweisen kann, nicht allein von der tliessen- 
den Behandlung der Gewänder und der schlanken Körper, sondern weit 
mehr noch von der Linienfiiln-liiig der ganzen Gruppen, die in rhythmischer 
Gegenbewegung, in einer reichen, durch geistvolle Unterbreelnuigcn noch 
erhöhten s_ynnixetris(rhe11 Entsprechung. angelegt sind. Wahr ist es, dass 
mehrere der Platten in der Oomposition etwas Hüchtig, selbst (lureh die 
häufige Wiederholung desselben Motives matt erscheinen; allein ähnliche 
Ungleichheiten zeigen alle Werke mit Ausnahme des Partheilon- und des 
Phigaliafrieses, zeigen nanlentlich die Sculpturen vom Theseion und vom 
Niketempel. Wenn nun diese Platten uns vollständiger erhalten wären, 
wenn wir die, solchen matteren Stellen sich anschliessenden Gruppen 
besässen, so würde das harte Urtheil über jene sich wohl beträchtlich 
mildern, und man würde. sich nochmals bedenken, ehe man, wie es
        

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