Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Plastik von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1636711
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1639041
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Zweites Buch. 
(icstnlt (Iss 
Denkmals. 
Ueberreste. 
die Königin Artemisia von Karien als Grabmal ihres 353 v. Uhr. ge- 
storbenen Gemahls Mausolus errichten liess. Es ist wahrscheinlich, (lass 
der König selbst schon bei seinen Lebzeiten den Bau hatte beginnen 
lassen. Dass die Ausschmückung (lesselben erst nach dem Tode der 
Artemisia (351) vollendet wurde, berichtet Pliilitis. Denn er erzählt, dass 
Slmpas sammt drei andern attischen Künstlern berufen worden sei, 
das Denkmal mit Bildwerken auszustatten; als aber die Königin vor der 
Vollendung (lesselben gestorben, seien die Künstler ihres eigenen Rulimes 
wegen geblieben, um die Arbeit zu Ende zu führen. 
Das Denkmal wird als ein von einer Säulenhalle umgebener recht- 
winkligcr Bau (Pteron) geschildert, der von einer eben so hohen Stufen 
pyramide überragt wurde. Auf der Spitze der letzteren krönte eine ko- 
lossalc marmorne Quadriga mit dem Standbilde des Mausolus das Ganze. 
Letztere war von Pyllzels gearbeitet, der wahrscheinlich auch der Ar- 
chitekt des Baues war. Während man nun bisher nur eine Anzahl von 
Relieftafeln von Budrun besass, deren grösserer Theil im Britischen Mu- 
seum zu London, deren kleinerer in Genua beim ltlarchese di Negro 
aufbewahrt wird, sind als Ergebnisse der neuesten Ausgrabung nicht 
alle-in neue Relieftafeln zu den alten ins Britische Museum gelangt, son- 
dern eine grosse Anzahl von andren Sculpturwverkcn schliesst sich (laran, 
die zum Theil noch der Zusammenfügung harren. Denn in Welchem Zu- 
stande von Zerstörung die meisten dieser Werke gefunden wurden, mag 
man daraus abnehmen, dass die Kolossalstatue des Mausolus aus drei- 
undsechzig Bruchstücken zusammengesetzt werden musste, und dass 
gleichwohl nichts von ihr fehlt als der linke Fuss und beide Jkrme. Das 
grossartigc Denkmal muss zwischen denrXII. Jahrhundert, wo EllSttlClllllS 
es noch als ein Weltivuntler preist, und dem Jahre 1402, wo die Jo- 
hanniter den Platz in Besitz nahmen und ihre Burg zu erbauen begannen, 
durch ein lrlrdbeben zerstört werden sein. Denn die Trümmer der ganz 
zerschellten Quadriga fand man umhergesc-lileudcrt wieder; von deniz wölf 
Fuss langen Rossen derselben sind bedeutende Bruchstücke erhalten. 
Ausserdem fand man, mehr oder minder erhalten, zwölf hlarmorlöwren, 
einen kolossalen Widder, eine Anzahl von Resten einzelner Statuen, denen 
die Restauration ihre Stellen zwischen den Säulen des Pterons anweist: 
ferner bedeutende Bruchstücke von Reiterstatuen, welche Newton auf die 
vier Ecken des Stufenbaues vertheilt, der die BaSiS ÖCS Ganzen bildet; 
endlich sind die Platteil des Frieses von zwölf auf sechzehn vermehrt 
worden, welche in Verbindung mit dem in Genua befindlichen Stücke 
eine Gesammtlänge von 85 Fuss 9 Zoll ausmachen. Da nun Newton 
in seiner und des Architekten Pullan Restauration dem Unterbau eine
        

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