Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Plastik von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1636711
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1639022
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Zweites B1 
und Frieden vortiihrenit), so wird man nichts gegen die gleichzeitige Ent- 
stehung einzuwenden haben. Selbst die beiden kleineren Friese, obschon 
sie nicht eben geistreich gearbeitet sind, weichen in der bescheidenen, 
leichten Art des Vertrages so weit von römischer Kunst ab, dass sie in 
keine Epoche als in die des rein griechischen Einflusses zu setzen sind. 
Mir scheint daher, dass man für die Ausschmtitrknng des Dcßnkmals einen 
attisehen Künstler berief, dem im Wesentlichen die Neretdenstatuen und 
die Giebelreliefs il-llgßilöfßll. In diesen konnte er sich ungehindert der 
idealen griechischen Auffassung überlassen, während die Besteller da- 
gegen ohne Zweifel nach der Sitte Asiens für die wirkliche Schiltlertlng 
des bestimmten historischen Ereignisses sammt seinen Folgen, welches 
dem Denkmal zu Grunde liegt, die ihnen allein verständliche realistische 
Darstellimg verlangten. Der Grieche wird sich diesem Verlangen nur wi- 
derstrebend gefügt und in demselben Maasse, als das Geforderte seinen 
eigenen Anschauungen ferner trat, die Hülfe einheimischer, aber griechisch 
gebildeter Künstler nicht blos für die Ausführung, wie bei dem grössten 
unteren Friese, sondern selbst für die Oomposition, wie bei den drei an- 
deren Friesen, herangezogen haben. So entstand dies kleine interessante 
Denkmal aus einem Compromiss zwischen griechischer Kunst und lykisczh- 
orientalischer Anschauung. 
Die Zeit der Ausführung lässt sich, glaube ich, aus dem bereits An- 
gedeuteten und aus anderen Gründen ziemlich genau bestimmen. Die 
zahlreichen Reminiseenzeil an attische Werke, vorzüglich die dem lürech- 
theion nachgebildeten architektonischen Formenititj) weisen darauf hin, 
 . 
k) Ich erinnere nn die zahlreichen Scenen lykischer Grabiheairlen, die griechi- 
schen Seulpturstyl mit den eigenthümlichen, dem I-Iolzbau naehgeahlnten iieht 
lykischen Architekturformerl verbinden. Wegen der realistischen, der griechischen 
Plastik fernliegentlen Darstellung von Gebäuden verweise ich auf jene merkwürdigen 
Reliefs von Pinara (Felluws, Lycin, zu S. 142), welche lediglich solchen Architek- 
turbilrlern gewidmet sind und den menschlichen Gestalten nur die untergeordnete 
Bedeutung von Staffage zugestehen. 
H) Für die Architektur unseres Denkmals kommen hauptsächlich die Säulen in 
Betracht. Während ihre Basis die rein ionisehe ist, mit doppeltem 'I'r0chilus unter 
horizontal knnnelirtem Torus, zeigt das Kapitäl nicht allein attiseh-ionische 
B'orn1, sonderni sogar direkte Nechmung des ErechtheionJiapitäls: 
nämlich die sonst nirgends vorkommende Anordnung eines zwiefachen Polsters, 
das vorn in reiche Voluten endigt, an den Seiten durch ein geschupptes Band und 
zwei Pcrlenschniire gehalten wird; endlich um Echinus, gleichfalls wie beim Erech- 
theionkalaitiil über dem Kymntion noch ein (lureh Elcehtwerk chnrekterisirtcs Glied. 
Nur der Anthelnienkranz, der dort den Hals der Säule schmückt, fehlt hier. Die
        

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