Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Plastik von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1636711
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1639018
Zweites Kapitel. 
Die griechische Plastik. 
Geschichtliche Entwicklung. 
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Behalten wir dies im Auge, so wird auch der obere Fries uns keinen 
Anstoss geben, der sichtlich in realistischJiistorischei- Auffassung seines 
Gegenstandes dem Geiste orientalischerKunst um Vieles naher steht. Man 
sieht auf der einen Langseite eine lebhaft bewegte Schlacht; auf der 
gegenüber liegenden Seite wird eine auf steiler Höhe ragende. Stadt von 
den Siegern belagert. Auf den Zinnen zeigen sich wehklagende Weiber, 
aber auch einzelne Vertheidiger. Schon beginnen die Belagerel" auf 
Sturnileitern die illauern zu ersteigcn, da beschliesst die Stadt, sich zu 
ergeben. Zwei biirtige liläinncr in langen faltenrcichcn (ieiväntlern erschei- 
nen vor dem auf einem Sessel thronenden und mit orientalischer Tracht, 
namentlich der phrygischcn Mütze (Kidaris) bekleideten Feldherrn, der 
von Kriegern umgeben ist und über welchem ein Diener den Sonnenschirm 
ausgcspannt halt. Das Alles wird in jenem naiven lilrzäihlerstyl vorge- 
tragen, welchen wir aus den assyrischen Palästen kennen; die Darstellung 
der Wirklichkeit, der Festung mit ihren 'l'hürmen und Zinnen, der 
reihenweise marschireiideil Krieger, das Alles ist orientalisch gedacht, 
aber unzweifelhaft von einem griechisch gebildeten Meissel vorgetragen; 
dafür spricht der leichte, feine Styl der Gestalten, der Gcwvänder, der 
Bewegungen.  
Endlich sind noch die beiden Friese der Cellemrantl und des aus- 
seren Architravs zu erwähnen. Auf dem letzteren werden nochmals Kampf- 
scenen zwischen Fussvolk tmd Reiterci geschildert; dann folgen Jagden 
auf Bären und Eber, endlich sieht man einen Satrapen, welchem Pferde 
und andere Gaben gebracht werden. Der Cellenfries enthält Darstel- 
lungen heitrei" Ruhe; ein (iastmahl wird gefeiert, bei welchem die Gäste 
auf Polstern liegen, mit Wein bewirthet und von Sängerinnen und Mu- 
sikanten unterhalten; daneben werden Opfer von Widdern, Stieren und 
Ziegen dargebracht. Alle diese Scenen sind den Darstellungen ähnlicher 
Art auf assyrischen Reliefs im Geiste verwandt; aber ein Blick genügt 
um zu zeigen, dass der schlichte klare Styl sowohl in der Anordnung 
der (iruppcn wie besonders in der Zeichnung der Gestatlten wesentlich 
durch griechische Kunst veredelt istn (ieWiSS Stehen diese Darstellungen 
an geistigem Gehalte tief unter rein griechischen Werken, aber wie 
(lverbeck sie (S. 111) "dürftig und leer, abgeschmaekt und wahrhaft 
nichtssagend, in den Formen schwülstig und stumpf" nennt und gar für 
sganz späte römische Arbeiten" gelten lassen will, das ist nur begreiflich, 
wenn man mit der ungerechtfertigten Forderung an diese Arbeiten heran- 
tritt, dass sie rein griechische Werke sein sollen. Stellt man sich vor, 
dass sie von lykischen, aber griechisch geschulten Künstlern geschaffen 
sind und in  Weise Scencn einheimischen Lebens in Krieg 
Ltibke, Gesell. der Plastik. 12 
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