Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Plastik von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1636711
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1638986
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Zweites Buch 
Denkmal des 
Thrasyllos. 
der Rest, an dem sich die Verwandlung in Delphine zu vollziehen beginnt, 
mit kühnem Satz in die Fluthen springt. Diese letzteren haben nämlich 
Delphinköpfe, die aber in menschlichen Leib auslaufen, eine Zusammen- 
setzung, welehe mit eben so viel" künstlerischem Gefühl und Berück- 
sichtigung organischer Formverbindung als mit keck hmnoristiseher Laune 
(lurohgeführt ist. Dieser Fries, leicht und flüssig in mässigem Relief 
behandelt, bildet ein köstliches Zeugniss von dem Knnstgeiste, der damals 
noch das ganze attisehe Leben durehdraiig. 
In anderm Sinne zeugt dafür ein Werk grösseren Umfanges, die 
Baeehusstatue vom Denkmale des Thrasyllos zu Athen, für einen Sieg 
vom Jahre 320 errichtet. Die Statue, jetzt im Britischen Museum, stellt 
den Gott in reichen Gewändern sitzend dar und ist, obwohl des Kopfes 
und der Arme beraubt, in Gesannntanlage und Styl vielleicht die gross- 
artigste und edelste sitzende Einzelstatne, die uns aus dem Alterthume 
geblieben. In der Behandlung der Gewandung hat sie grosse Verwandt- 
schaft mit der Aphrodite von Melos. Diese Statue mag uns ungefähr die 
Gestalt vergegenwärtigen, in welcher Praxiteles und seine Schule den Gott 
des Weines atlffassten. 
Löwe von 
Chaeroueu. 
Löwe von 
Knidos. 
Lykisclxc 
Sculpturcu. 
Ungefähr aus derselben Zeit stammt ein Denkmal, dessen Errichtung 
mit jenem folgesclnveren Ereignisse des Unterganges griechischer Unab- 
hängigkeit zusammenhängt. Es ist der kolossale ctiva zwölf Fuss hohe 
Marmorlöwe, der zum Andenken der in der Schlacht von Chaeronea 
(338) gefallenen Griechen daselbst errichtet wnrtlc, und dessen Bruch- 
stücke noch an der alten Stelle vorhanden sind._ Ein ähnliches Denkmal, 
von Knidos, kürzlich in's britische Museum nach London gelangt, halt 
man für ein Erimlerungszeichen des Seesieges, welchen Konon (2394) bei 
Knidos über Lysander erfocht. Es ist wohl die schönste Lijwvcngestalt, 
welche wir in plastischen Werken besitzen. Er liegt ruhig ausgestreckt, 
zehn Fuss lang, der Kopf ist nach rechts gewendet. Die Vorderftisse 
sind abgeschlagen, die untere Kinnlade und die Tatze des rechten Hinter- 
fusses fehlen. Der Kopf ist wie der übrige Körper in grossen lllassen 
wirksam behandelt, dabei jedoch in einem weicheren, mehr natnralistiselieii 
Style durchgeführt als z. B. die Löwenköpfe von der Dachrinne des Par- 
thenon. Die Mithne ist in grossen Büscheln kritftig und wirksam stylisirt, 
das Haar auch an den Weichran trefflich (wharakterisirt, die Adern ebenso 
maassvoll gezeichnet. 
Wichtige Werke dieser Zeit sind uns sodann in dem (lenkmalreichen 
Lykien erhalten, wo wir bereits in früher Zeit den Einfluss griechischer 
Kunst im Harpyien Jllonument von Xanthos (S. 95) kennen lernten. 
Ausser einer Änzahl minder bedeutender Gräibcrreliefs zu Telmessos,
        

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