Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Plastik von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1636711
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1638928
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Zweites Buch. 
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Endlich ist eine der interessantesten Erscheinungen unter den da- 
maligen Künstlern der vom Isthmos stammende Euphranor. Vielseitig 
begabt, als Maler und Bildhauer thätig, arbeitete er, wie Plinius berichtet, 
in Metall und Marmor, bildete Kolosse und ciselirte Becher, schrieb Bücher 
über Symmetrie tmd Farben, gelehrig und thätig vor allen, in jeder Art 
ausgezeichnet, und von immer sich gleichbleibendem Verdienste. Unter 
seinen plastischen Werken iinden wir alle Kreise vom Götterbilde bis 
zur Thierdarstellung vertreten, und mehrere von diesen Werken deuten 
auf Schilderung eines bewegten und erhöhten Gemüthszustandes hin. 
Dazu scheint dieser thätige und gewandte Künstler einer kräftigen Form- 
bezeichnting gehuldigt zu haben, denn er selbst soll von einem Theseus, 
den er gemalt, gesagt haben, sein Theseus sei mit Rindfleisch, der des 
Parrhasios mit Rosen gefüttert. Endlich wird hervorgehoben, dass er 
schlankere Verhältnisse in die Plastik einzuführen begann, indem er den 
Rumpf feiner bildete, während jedoch Kopf und Glieder noch die alten 
schwereren Verhältnisse behielten. 
Wir haben uns nun zur grossartigsten und umfangreichsten statuari- 
schon Composition zu wenden, welche die attische Kunst jener Zeit 
hervorgebracht hat, der berühmten Gruppe der Niobe mit ihren 
Kindern. Ursprünglich vermuthlieh im Giebelfeld eines kleinasiatischen 
Apollotempcls aufgestellt, ward sie später nach Rom in den Tempel des 
Apollo Sosianus gebracht. Schon das Alterthum war zweifelhaft, ob 
dies Werk dem Skopas oder Praxiteles zuzuschreiben sei; um wie viel 
weniger vermögen wir darüber zu urtheilen, denen das dVcrk nur in 
spätcrn, zum Theil mittelmässigen Copien erhalten ist. Obwohl wir des 
leidenschaftlichen Inhaltes wegen eher an Skopas denken möchten, dürfen 
wir doeh nicht geradezu eine Vermuthung (laraus machen. Das Thema 
der Composition, von welcher manche Nach- und Umbildungeil in Sar- 
kophagreliefs vorliegen, ist bekanntlich die Bestrafung der thebanischen 
Königin Niobe, die sich ihrer vierzehn Kinder gegen die nur mit zwei 
Kindern gesegnete Leto gerühmt hatte. Apollo und Artemis übernahmen 
es, die beleidigte Mutter zu rächen, indem sie mit ihren Todcspfeilen die 
ganze Niobidenschaar vernichteten. Wir finden hier also denselben sitt- 
lichen Grundgedanken, der sich in den Dichtungen der Griechen so oft aus- 
spricht: Bestrafung des menschlichen Uebermuthes, der sich, auf sein 
Glück oder seine Macht pochend, gegen die Götter auf lehnt. 
Die Gruppe wurde im Jahre 1583 zu Rom bei Porta S. Giovanni 
gefunden und kam später nach Florenz, wo sie jetzt in der Galerie der
        

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