Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Plastik von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1636711
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1638862
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Zweites Buch. 
Gegenständen grosse hlannichfaltigkeit verrathen. Denn wenn er auch 
gleich Skopas den Götterbildern, und unter diesen den jugeiulljelien und 
weiblichen Gestalten sich mit Vorliebe zuwandte, wenn sogar von ihm 
feststeht, dass er mehreren Göttern, wie dem Apollo und Dionysos, eine 
jugendliche Gestalt gab, so schloss er doch keine einzige der zwölf 
grossen Gottheiten des Olympos von seiner Darstellung aus, und wusste 
auch die grossartigeren und ernsteren Charaktere des Poseiden, der Hera, 
Demeter und Athene würdig aufzufassen. Am liebsten freilich schilderte 
er die weiche Anmuth zartaufblühender Jugend, und auch diese be- 
lauschte er gern in der süssen, träumerisch versunkenen Schwärmerei, 
welche die Grundstimmung eines poetisch erregten jugendlichen Gemüthes 
ist. iDoch fehlt es unter seinen zahlreichen Werken auch nicht an sol- 
chen, die wie die rasenden Mänaden und Silene, oder die Erzgruppc 
vom Raube der Persephone enthusiastische und leidenschaftlich gewalt- 
same Scenen in hoher Meisterschaft vorführten. 
[er der 
rodite. 
Unter seinen Götterbildern nehmen Aphrodite lllld Eros den ersten 
Platz ein. Aphrodite hatte er fünf Mal gebildet, am vorzüglichstcn nach 
gemeinsamem Urtheile des Alterthunis 
  in der weltberühmten Aphrodite von 
am Knidos. Man darf vielleicht sagen, 
x   dass dieses Werk für seine Zeit un- 
KV  v? gefähr dieselbe Bedeutung hatte, wie 
ä v2, der olympische Zeus des Phidias für 
M die vorhergehende Epoche. Wie jener 
L  die höchste Erhabcnheit, so vertritt 
1  diese die höchste Holdseligkeit unter 
 den Göttergestalten der Griechen. Wie 
  _ jener die höchste Bewunderung, so war 
diese das höchste Entzücken des ge- 
Fig 68 Kmdische Münm sammten Alterthums. Um sie zu sehen, 
 scheute man nicht die Reise nach Knidos, 
und die Knidier selbst schätzten sie so 
hoch, dass König Nikomedes von Bithynien ihnen vergebens anbot, für 
diese eine Statue ihre gesammten Staatsschulden zu bezahlen. Von der 
Gesammterseheinung des Bildes geben uns Knidisehe Münzen (Fig. 68) eine 
Anschauung. Die Göttin stand in einem kapellenartigen Einbau, der von 
beiden Seiten zugänglich war, um eine umfassendere Betrachtung des 
Werkes zu gestatten. Wie Skopas hatte auch Praxiteles sie völlig unbe- 
kleidet dargestellt, um die Göttin der Schönheit in der vollcnfracht 
des blühenden Körpers zu zeigen; aber er hatte diese immer noch
        

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