Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Plastik von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1636711
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1638821
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Zweites Bm 
Formen zeigt, glaubt man eine Nachbildung desselben zu besitzent). 
Andere nicht minder berühmte Werke des Meisters befanden sich eben- 
falls in Rom. So vor Allem eine umfangreiche Marmorgruppe, ursprünglich 
vielleicht für einen Tempelgiebel eomponirt, welche den Moment dar- 
stellte, wie Aehill von seiner Mutter die hephiistischen Wzifteu erhält. 
Ausser der Thetis war Poscidon und eine Schaar von Nereiden und Tri- 
tonen, auf Secungelieuern reitend, in die Darstellung mit aufgenommen, 
die ein übermüthig bewegtes Leben, ein rauschender Klang festlicher 
Lust (liirehziehen mochte.  Sodann war eine bewundernswürdige Mar- 
morstatue der Aphrodite ebendert zu schauen, merkwürdig schon deshalb, 
weil Skopas in ihr zum ersten Male die Göttin in der ganzen unverhüllten 
Pracht voller Körperschönheit gezeigt hatte. In diese Reihe gehört 
ferner ein sitzender Ares, der von Liebesghlt zur Aphrodite ergriffen, 
träumerisch in sich verloren dasass. Eine lilarmornachbildung in der 
Villa Ludovisi zu Rom (Fig. 6G) giebt eine Vorstellung davon, wie der 
Künstler-dureli tiefe Innigkeit des Ausdrucks und durch das nachlässig 
Weiche in der Haltung jene Seelenstimmnng veranschaulicht hatte- Eine 
verwandte Grundanffassnng muss jene Gruppe gezeigt haben, in welcher 
der Meister "Liebe, Sehnsucht und Verlangen" dargestellt hatte, ohne 
Zweifel ein Werk, das nur durch die feinste Nüancirung des charakteri- 
stischen Seelenausdrueks wirken konnte.  Zu höchster Leidenschaft er- 
hob sich dann wieder seine Schilderung in der Statue einer rasenden 
Bakehantin, Welche von (lionysischem Taumel ergriffen, von Hatternden 
Gewändern umrauscht, (lahinstürlnte, den Kopf in den Nacken geworfen, 
mit aufgelöstem IIaar, in den Händen ein in der Raserei zerrissenes Zick- 
lein haltend. Wenn wir von solchen Werken lesen, verstehen wir den 
Ausdruck, Skopas habe den Marmor "beseelt" und seine Bakehantin 
„rasen gelehrt." Gewiss sind die Hanptzüge dieser kühnen liIeister- 
Schöpfung in die zahlreichen spätern Reliefdarstellungen bakchischer 
Seenen übergegangen.  Endlich erfahren wir, dass um 350 Skopas 
nebst anderen Künstlern das Mausoleum zu Halikarnass mit Bildwerken 
schmückte, von denen später zu reden List. Aus alledem (nkeiiiieii wir, 
dass der Darstezllungskreis dieses Meisters das Gebiet idealer Anschau- 
ungen war, dass aber innerhalb dieses Gebietes er vorzugsweise, ja man 
darf sagen ausschliesslich jugendliche Gestalten von zarter Schönheit in 
leidenschaftlicher Bewegung oder in inniger Erregung des Gemüthes auf- 
suchte. Damit hängt zusammen, dass er fast ohne Ausnahme in Marmor 
k) Vielleicht hat eine einfachere, schönere, jugendlichen: Alwllogestult, 
englischem Privatbesitz (abgebildet bei lXIiillcr-Ocsterley II. Taf. XII, Fig." 
mehr Anrecht auf diese Ableitung. 
in 
33)
        

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