Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Plastik von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1636711
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1638781
154 
Zweites Buch. 
Urheber des 
Fyieses.  
handlung, die allerdings auf höhere Reinheit-der Form hinwieist. Von 
den Metopenresten ist nur ein Kämpferpaar ziemlich erhalten, an welchem 
man dieselbe Lebendigkeit des Styls, dieselbe Frische der Auffassung 
und dieselbe unruhige, überladene Gewandung wahrnimmt. 
Ueber den Meister des phigalisehen lilrieses wissen wir Nichts. 
Wenn man geglaubt hat, die Coneeption Wenigstens einem üÜiSChPn 
Künstler, die Ausführung dagegen peloponnesischen Arbeitern zuspreehen 
zu sollen, so ist dagegen zu bemerken, dass der Geist der Compositimi 
ebenso unatt-iseh erscheint, wie die Art der Darstellung, dass aber beides. 
Inhalt und Form aus der Wurzel derselben Kunstansehauung geflossen 
ist. Wohl wird manches Rohere, mehr Dekorative der Beliaiullliiig auf 
die Hand der ausführenden Arbeiter zu schieben sein: im Wesentlichen 
aber athmet hier Alles den kühnen, lebensvollen Naturalismus peloponne- 
sischer Kunst. Und, fügen wir noch hinzu, ebenso deutlich fühlt man in 
dieser gewaltig und gewaltsam bewegten Composition bereits den Odem 
einer neuen Zeit, die wir nunmehr betrachten müssen. 
PERIODE. 
DRITTE 
v 
011 
der 
Befreiung Athens 
bis 
a u f 
Alexander 
den 
Grossen. 
A11 gemuinur 
Uhnmktcl" 
der neuen 
Zeit. 
Der pelopomlesische Krieg hatte das Signal zur Auflösung gegeben, 
welche unaufhaltsam über Griechehland hereinbraeh. Schon während des 
Krieges erkennt man aus untrügliehen Anzeichen die Vorboten einer all- 
mählich fortschreitenden sittlichen, "politischen und socialcn  
Diese Symptome verkörpern sich gleichsam typisch und vorbildlich in 
den hervorragenden Charakteren der Zeit. Welche Kluft trennt schon 
einen Alkibiades von den Vertretern der ehrenfesten itlteren Zeit, einem 
Miltiades, Aristitles, Themistokles, einem Kimon und selbst Perikles. Als 
die Zwietracht und Eifersucht unter den griechischen Stammen einmal 
entfesselt war, vermochte sie selbst durch die langen Schrecken des 
peloponnesischeil Krieges sich ilicht mehr zu sattigen. Der Bürgerkrieg; 
schwingt fortan seine Geissel über Griechenland, und selbst die edelsten 
Helden dieser späteren Epoche, ein 'I'hrasybul, Pclopitlas, Epaminondas 
leiden unter dem Fluch ihrer Zeit, Ader Griechen gegen Griechen trieb und 
ihre glanzendsten Lorberkranze mit dem Blute des eigenen Volkes be- 
deckte. Und doch war der Kunstgcist noch immer so mächtig, die Freude 
am Schönen so gross, dass trotz der Stürme der Zeiten eine neue Blüthe 
der Künste begann, die an Glanz kaum von der früheren überboten wird,
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.