Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Plastik von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1636711
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1638744
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Zweites Buch. 
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Jüngere. 
Andvre 
Kiinstlvr 
Scnlpturnn 
des Hera- 
texupuls zu 
Arssos. 
wahrend der Körper noch auf dem linken fest aufruht, und auch der 
Kopf jenen Ausdruck gespannter Sammlung zeigt, welcher einem solchen 
Momente vorauszugehen pflegt. Gerade das, Schwebende in der Haltung, 
die lebensvolle Bewegung in scheinbarer Ruhe, die Art, wie der jugendlich 
schlanke, elastische Körper sich auf dem linken Staudbeine wiegt, spricht 
für ein Original aus der Schule oder Richtung des Polyklet.  Als 
Schüler des Naukydes ist hier der jüngere Polyklet anzuschliessen, der 
in seinem „Zeus philios" in Megalopolis einen neuen Typus des höchsten 
Gottes, den heiteren und freundlichen, dem Dionysos verwandten Gott 
geschaffen hatte. Deshalb trug derselbe in der einen Hand den Becher, 
in der andern den Thyrsos, auf welchem nur der Adler noch an die 
Gewalt des obersten Herrschers erinnerte. 
Ausser diesen Künstlern sind nur noch manche, Namen aegineti- 
scher und sikyonischerPlastiker uns überliefert, deren Tlrager indess 
auf eine höhere selbständige Bedeutiuig schwerlich "Anspruch erheben 
können. Wohl ist aber eine Anzahl von ihnen bei der Ausführung des 
Weihgesirhenkes betheiligt gewesen, welches die Spartaner wegendes 
Sieges über die Athcner bei Aegospotami zu Delphi stifteten. Es be- 
stand aus mehr als achtunddreissig Erzstatuen, die in zwei Frcigrnppen 
aufgestellt waren. Die vordere zeigte den im Beisein von Zeus und an- 
deren Göttern durch Poseidon bekränzten Admiral Lysander; die andere 
Gruppe enthielt die Personen derer, welche sich in der siegreichen 
Schlacht besonders ausgezeichnet hatten. Es ist ein bezeichnendes Merk- 
mal von dem verhängnissvollcn Wechsel der Geschicke, dass dies Wm-k, 
welches die verderbliche Zwietracht der griechischen Stamme monumental 
verhcrrlichte, den Schlussstein derselben Epoche bildet, welche mit der 
für die marathonisehe. Schlacht ebenfalls in Delphi geweihten Statuen- 
gruppe so glorreich begonnen hatte, lmd es war eine bittere Ironie des 
Schicksals, dass beide Weihgeschenkc nahe neben einander in Delphi 
aufgestellt waren. 
Unter den erhaltenen Denkmälern pcloponnesisehcr Kunst gehören 
die Reste der Sculpturen vom Heratempcl bei Arges vermuthlieh der 
Schule des Polyklet an. Die liletcpcn enthielten Scenen der Giganten- 
käimpfc, in den Giebelfeldern war die Geburt des Zeus und die Einnahme 
von Troja dargestellt. Die zahlreichen Bruchstücke dieser Seulpturen, 
welche eine neuere Nachgrabilng zu Tlage gefördert hat, werden wahr- 
scheinlich wichtige Aufschlüsse über die Richtung der argivisehen Schule 
bringen, doch harren sie noch der kunsterfahrenen Hand, die aus den 
zerstreuten Bruchstücken  hoHentlich recht bald!  ein Ganzes zu- 
sannnensetze.
        

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