Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Plastik von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1636711
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1638696
Zweites Kapitel. 
Die griechiscnhe Plastik. 
Geschichtliche Entwicklung. 
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führten Propyläenbaue in Zusammenhang "stehen. Dann fielen sie in die 
Zeit, wo Phidias in Olympia verweilte, und wären vielleicht die Arbeiten 
eines der durch ihn herangebildeten jüngeren Künstler.  
Nur dürftige Reste sind uns endlich von dem Friese erhalten, der Frios des 
den eleganten Prachtbau des Erechtheions umzog; dagegen haben wir äÄ-igilä. 
das bestimmte Datum, dass noch im Jahre 408, also während der Wirren 
des peloponilesischen Krieges, an diesem Monumente geballt wurde, ja 
eine marmorne Baurechnung hat uns sogar die Namen mehrerer llIarmor- 
arbeiter und den Preis, der ihnen für die Ausführung der einzelnen Fries- 
figuren bezahlt wurde, aufbewahrt. Wir gewinnen dadurch einen in- 
teressanten Einblick in die Art des damaligen künstlerischen Schaffens 
und der Ausführung solcher umfangreichen Oompositionen. Leider wurde. 
bei diesem Friese das von dem gewöhnlichen Gebrauch abweichende 
Verfahren beobachtet, dass die einzelnen aus pentelisehem Marmor gear-  
beiteten Figuren mit metallenen Klammern auf die aus schwarzlichem 
eleusinischen Stein gefertigten Platten des Frieses angeheftet wurden, 
X Emnmüygi wodurch selbst die geringen noch aufgefundenen 
  Bruchstücke sogar aus allem Zusammenhange ge- 
 rissen erscheinen. Indess sieht man aus ihnen  
 wie aus den Benennungen der Rechnung, dass 
 wahrscheinlich auch hier die Vorbereitungen und 
 die Seenen eines Festzuges, ebenfalls in der Ge- 
    i! genwart von Göttern, dargestellt waren. Der Styl 
    i, lt  der stark verletzten Gestalten ist noch voll Schön- 
NL,  l   hcit, Adel und selbst Grossartigkeit; doch tritt 
rät" I i, in der Gewandung eine Häufung des Faltenwurfs 
1  hggwßl, und ein Streben nach Effekt hin und wieder her- 
ii v, M  vor. 
     Von köstlicher Anmuth sind sodann die sechs Karyatirlen, 
i,   Karyatiden, läilder von edlen athenisehen 
l R Äluwl; Jungfrauen, welche die leichte Decke der süd- 
 W liehen Vorhalle des Tempels tragen. Ruhig und 
  i. in langsam angezogenem Schritt scheinen sie,  
 l r "Fl  weihevoll und gesammelt, wie in einem feierlichen 
 l   Zuge einherzuschreiten, voll Anmuth und heiterer 
   "l  Festfreude, in vollendet schönen, gross behan- 
Fiäräg; delten Formen, kräftig und zart, Ruhe und Be- 
wegung in schönem Rhythmus vereinend: be- 
seelte, lebensvolle Stützen für die Baldacliindecke der zierliehsten aller 
Tempelhallen. (Fig. 60.)  
L ii hke, GESClI- der Plastik.  
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