Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Plastik von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1636711
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1638672
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Geschichtliche Entwickll 
143 
Thcilen einige Ttlfßlll bei derselben Frische und Schönheit des Entwurfes 
doch eine geringere Ausführung zeige-n, welche sich (lurch (etwas trocknere 
und schärfere hbrlubehandlung, und selbst (lurch einige Härten der Zeich- 
nung, z. B. zu lange Beine und zu sclnnaehtigcn Leib eines Pferdes, sowie 
eine gewisse ITnge-lenkiglzeit am Halse des sich mit dem Kopfe am Vor- 
dcrfuss reibenden Rosses und (lergleiehen ausspricht. Wir haben uns bei 
der Ausdehnung des Werkes indess nicht sowohl über solche kleine Un- 
gleichheiten zu wundern, als vielmehr darüber, dass dieselben nur in so 
geringem Masse auftreten und für das Ganze fast unmerklich bleiben. 
Erwägen wir zum Schlüsse noch, dass 'die Parthenonsculpturen aus dem 
schwer zu bearbeitenden, weil in vielen parallelen Streifen brechenden 
pentelischenhl:i1'n1o1' sind, während noch die Bildwerke am Theseion aus 
ilein viel bequemeren parischen Marmor bestehen, so kann dies nur bei- 
tragen, die hohe allseitige Durchbildung der Schule des Phidias auch in 
diesem Punkte zu bezeugen. 
Mit der Vollendung des Itarthcncm hat zwar die höchste Blüthe athe- 
nischer Plastik ihren Abschluss gefunden, doch knüpfen sich mehrere 
andere künstlerische Unternehmungen fast unmittelbar daran, in denen 
man eine Fortsetzung und Fortbildung der dort bereits zur Vollendung 
gelangten Richtung zu erkennen hat. Den Parthenonsculptu1'en zunächst 
scheinen mir die Reliefs an der läalustrade der Terrasse zu stehen, welche 
den Niketempel trägt. Obwohl diese jetzt in der Cella des kleinen 
Tempels anfbeivahrten Werke stark zerstört sind, erkennt man doch so 
viel, dass sie geflügelte Siegesgöttinnen (lau-stellen, die in verschiedenen 
Ilandlungen begriffen sind. Zwei dieser anmuthvollen Gestalten bringen 
einen Stier herbei, den die Eine zu bändigen sucht, während die Andere 
dem Stosse des wild sich straubenden Thieres durch eine rasche Wendung 
ausweieht. Eine Andere löst, indem sie den rechten Fuss emporzieht, die 
Sandale desselben, als wolle sie eben zur Betretung eines Heiligthums sich 
bereiten (Fig. 58). Eine Vierte und, soviel die geringen Reste erkennen 
lassen, eine Fünfte scheinen beschäftigt, ein Siegesdeilkmal aufzurichten 
und zu schmücken (Fig. 59). Dadurch wird die Vermuthung nahe ge- 
bracht, dass es sich in der ganzen Composition um die Feier eines Sieges 
gehandelt, und dass das Tropäon mit den beiden dasselbe errichtenden 
Nikegestalten den lliittelluunkt der Darstellung gebildet habeft") Der 
Künstler ist darin offenbar ein Nachfolger des Phidias, dass er die man- 
nichfachen Stellungen, WGlClIG eine solche Feier bietet, mit bezaubernder 
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diese ansprecluzxulc Vermuthung auf. 
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