Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Plastik von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1636711
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1638614
Zweites Kapitol. 
Die griechische Plastik. 
Geschichtliche Entwicklung. 
137 
nenft) Diesen Werken gegenüber, die doch nur aus der Werkstatt des 
Phidias stammen, begreift man, dass die Alten als Iicnuzeichen seiner 
Werke Grossartigkeit der Conception und höchste Sorgfalt der Ausführung 
bezeichneten. Von den Köpfen ist zu wenig, und dies Wenige zu stzu-k 
verstümmelt auf uns gekommen; der des Theseus und zwei im Louvre 
befindliche Frauenköpfe sind aber von einer Weichheit und Kraft, einer 
Grossheit der Formbehandlmig und einem Adel des Ausdrucks, dem keine 
spätere Schöpfung sich vergleichen lasst. 
Eine zweite überaus umfangreiche Reihe plastischer Werke bieten 
die zwciundneunzig Metopen des ausseren Tempelfriescs dar, deren jede 
eine Reliefcomposition enthielt. Von diesen sind nemimiddreissig noch 
am Tempel vorhanden, siebzehn im britischen Museum, eine im Louvre, 
eine andre neuerdings (1 S38) nachträglich aufgefundene in Athen. Ausser- 
dem enthalten die Carrey'schen Zeichnungen noch eine grosse Anzahl jetzt 
zerstörter Metopen. Dennoch ist die Zerstörung selbst der erhaltenen 
meistens eine so erhebliche, dass über den inneren Zusammenhang, den 
leitenden Gedanken des Ganzen uns kein Urtheil mehr zusteht. Ein 
grosser Theil der von der Südseite herrühreiuleii zeigt Scencn aus den 
Kentamenkäinpfen; andre enthalten mythische und heroische Gestalten, 
theils friedlich verbunden, theils im Kampfe. Vor Allen bedeutend und 
meistens am besten erhalten sind die Darstellungen aus der Kcntauro- 
machie (Fig. 52 u. 53). Man sieht die derben, bärtigen, kraftvollen 
Thiermenschen schöne Frauen rauben und im Triumphe davon tragen 
oder mit elastischen, edelgebauten Jünglingen im Kampfe begriffen. Bald 
trägt der Letztere, bald sein halb thierischer Gegner den Sieg davon. 
Einmal sprengt der Keiltaur in wildem Triumph über den Leichnam 
Seines erschlagenen Gegners hinweg; meistens aber steht der Kampf in 
der Schwebe, und wie beim Theseustempel ergreift diese Ungewissheit 
der Entscheidimg den Beschauer mit spannender Erregung. Diese Scenen 
sind höchst energisch aufgebaut, kühn gegipfelt, in scharfer Berechnung 
des Gleichgewichts der Gruppen, sodass man auch hier wieder unwill- 
kürlichwie beim Thcseion an andere Schuleinflüsse, namentlich die des 
Myron erinnert wird. Dass hier nicht bloss in der Ausführung, sondern 
auch in der Composition, der Auffassung imd dem geistigen Ausdruck 
ganz verschiedene Hände zu erkennen sind. muss jedem unbefangenen 
1519m pel 
des 
Parthexlo 
k) Dagegen möchte ich dem ebenfalls im britischen hiusoum beündliehen angeb- 
lichen Bruchstiick des Kopfes der Athena (Nr. lUl) wegen der scharfen und harten, 
dabei trocknen und strengen Behandlung der Formen, namentlich des Haares 
keinen Platz unter den Parthenon-Sculpturen zugestehen.
        

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