Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Plastik von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1636711
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1638556
Zweites Kapitel. 
Die griechische Plastik. 
Geschichtliche Entwicklung. 
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Composition bewegt- sich aber in gleicher Weise so, dass ein synlmetriseh 
rhythmisches Gesetz die Gruppen auf beiden Seiten beherrscht, ohne 
irgend die Freiheit der Bewegungen zu hindern. Vielmehr entfaltet sich 
auch hier ein frisch angespanntes Kampfestreiben, voll energischer, 
kühner Situationen, und nur in einer etwas monotonen Wiederholung der 
selben Kentaurtenstellung lasst sich die architektonische Fessel leise 
erkennen. Das Relief tritt kräftig heraus und entspricht der lebensvollen 
Frische, welche diese herrlichen Gompositionen (lurehdringt. 
In naher Verwandtschzift mit den Werken des 'I'heseion stehen die 
Friesreliefs des kleinen ionisehen Tempels der Athena Nike, oder der 
N ike Apteros (der ungeiiügelteil Siegesgöttin), der auf hoher Terrasse 
hart über dem Aufgange zur Akropolis schwebt und die Stirnseite der 
südlichen Biu-gmauel- absehliesst. Wie dieser Theil der Mauer, so scheint 
auch das kleine Tclnpelehen unter Kimon erbaut zu seinit) Seine Fries- 
sculpttu-en enthalten in kräftig behandeltem Relief an der Vorderseite 
eine Versammlung von stehenden und sitzenden Göttern, edle Gestalten, 
die aber zu stark zerstört sind, um eine Deutung zuzulassen. Die südliche 
und die nördliche Laugseitc zeigen Kämpfe von (ltricchen gegen Reiter in 
barbarisel1c1' Kleidung, namentlich in Hosen, und an der Westseite sieht 
man Kämpfe von (iricchen gegen Griechen. Wir haben also mit der 
Darstellung einer Schlatirht zu thun, in welcher Griechen, mit Persern 
verbunden, gegen die Athener laämläften, und das Weist mit grosser Wahr- 
scheinlichkeit auf die Schlacht von Platäa hin. Die Gruppen sind über- 
aus lebendig bewegt, die Motive geistreich, neu, originell erfunden, die 
Scenen des Kampfes voll lifanniehfaltigkeit in einem feurigen, kühnen 
Style, die Körper, soweit die arg verletzten Platten theils am Monumente 
selbst, theils im britischen Museum ein Urtheil gestatten, in edler flics- 
sender Folmbehandluilg durchgeführt. Doch wiederholen sich manche 
Motive, was im Einklange mit der Haltung der Götter an der Ostseite auf 
eine noch nicht zu höchster Fülle und Freiheit der Phantasie vorgeschrit- 
tene Kunst deutet. Dagegen sind diese Seulpturen die ersten, welche in 
pentelisehcm Marmor ausgeführt wurden, während die am Theseion noch 
in parisehem Marmor gearbeitet sind. 
Unmittelbar an diese Werke reihen sich nun die grossartigen Sculp- 
turen des Parthenon. Sie wurden von Phidias und seiner Schule bis 
Fries des 
Niketenmpels. 
Sculpturen 
des 
Pnrthenon. 
a) Die Anlage des Propyläenbuues, dessen südlicher Flügel oHenbar mit 
RÜChblChE auf den schon vorhandenen Niketempel minder weit ausladct als der 
nördliche, zwingt zur Annahme, dass der Niketcmpcl früher, also noch zur Zeit der 
Kimorlischcii Verwaltung erbaut worden sei.
        

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