Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Plastik von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1636711
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1638534
Zweites Kapitel. 
Die griechische Plastik. 
Geschichtliche Entwicklung. 
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Einfangung des marathonischeil Stieres, die Bändigung der krommyoni- 
sehen Sau und die Bezwingung und Bestrafung mehrerer Räuber und Un- 
holde, des Sinis und Anderer. Schöner konnte die griechische Kunst die 
Heroen nicht feiern, als indem sie die Thaten darstellte, durch welche 
jene die rohen Feinde der Kultur besiegten und einer höheren Gesittung; 
die Bahn bereiteten. Zudem gab es für die Plastik keine günstigere Ge- 
legenheit, lebensvolle Motive der Schilderung zu gewinnen, als in solchen 
Kampfseenen, wo die edle Menschengestalt durch ihre geschmeidigere, 
von höherer Intelligenz geleitete Kraft über die imbändigen Gebilde eines 
roheren Geschlechtes den Sieg davon tragt. Das ist denn in den Metopen 
des Theseion mit hoher Freiheit und kühner Meisterschaft durchgeführt. 
Jede Situation des Kampfes ist auf der Spitze des entscheidenden Momen- 
tes aufgefasst; die beiden kämpfenden Gestalten sind im Anstemmen des 
Ringens, im Gegeneinanderwirken so geschickt in's Gleichgewicht ge- 
setzt, dass der Zuschauer voll Spannung im nächsten Augenblicke den 
Umschwung erwartet, der den Sieg herbeiführen muss. Wenn hier nicht 
Myron selbst vielleicht tiureh Entwürfe zu den Compositionen betheiligt 
war, so kann man sich kaum der Vermuthung entziehen, dass wenigstens 
ein Einfluss seiner Kunstrichtung hervortrete. Die lebendige Natur-wahr- 
heit der Formen, die mit: einer strengen, grossartigen Behandlung ver- 
bunden ist, würde der Vorstellung, die wir von myroniseher Kunst haben, 
Wohl entsprechen. Mit spielender Leichtigkeit sind die schwirierigsten 
Stellungen, die kühnsten Bewegungen (lurchgeführt, und man erkennt so- 
gleich den grossen Fortschritt, wenn man diese Werke mit der noch 
gebundenen Auffassung in den Aeginetengruppen vergleicht. Auch die 
Körper sind flüssiger in der Formbezeiehnlulg als dort, obwohl sie darum 
nicht minder kraftvoll ja nur um so grossartiger erscheinen. 
Noch wichtiger vielleicht sind sodann die Friese, die sich im Pro- 
naos und der I-Iinterhalle des Tempels befinden, und von denen der an 
der Vorderseite wieder ausgedehnter ist als der entgegengesetzte. Es 
sind die ersten umfassenderen Friescompositionen, die uns in der grie- 
chischen Plastik begegnen. Der Gegenstand des längeren östlichen 
Frieses ist ein Kampf zwischen bewaffneten und unbekleideten lilännern, 
im Beisein von sechs thronentlen Gottheiten. Wenn man in letzteren, weil 
sie in zwei Gruppen getheilt und einander entgegengewendet sind, die 
Beschützer der beiden Parteien vermuthet hat, so ist das gewiss grundlos. 
Diese Anordnung wird durch das Gesetz der symmetrisch aufgebauten 
Zwßitlügligen Composition bedingt; ausserdem hat der läildnei" augen- 
scheinlich durch die Abwechslung ruhiger und bewegter (truppen seinem 
Fries eine grössere hlzinnichfaltigkcit des Rhythmus geben wollen. Ohne 
Liibkc, Gesch. der Plastik. f)
        

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