Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Plastik von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1636711
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1638523
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schmücken bestimmt waren, so haben wir vorweg uns über das Verhalt- 
niss Klarheit zu verschaffen, in welchem diese Denkmäler zur "Phiitiglteit 
der grossen Meister athcnischer Plastik stehen. Da ist denn bei der Aus- 
dehnung dieser Sculpturen, bei der Art ihrer Ausführung keinen Augen- 
blick zu zweifeln, dass sie im Wesentlichen als Arbeiten der Werkstatt 
des Phidias und verwa1nltei' Meister anzusehen sind. Erwügen wir dazu, 
dass trotzdem diese Reste weitaus das Herrlichste ausmachen, was die 
Welt an lalastischen Denkmälern aufzuweisen hat, so dürfen wir daraus 
einen ahnenden Rückschluss auf die unwiederbringlieli verlornen Haupt- 
werke eines Phidias selbst machen. Wir werden dann leicht die Begeiste- 
rung des Alterthtnns für solche VVimderwerke der Kunst begreifen, deren 
Gleichen die Welt nicht wieder gesehen hat. 
Den Reigen eröffnen die Seulpturen des schönen Tempels, welchen 
man für das von Kimon dem Thcseus errichtete Ilciligthum gehalten hat. 
Obwohl diese Ansieht mit gewichtigen Gründen angefochten werden ist, 
sind doch ebenso bedeutende Zeichen vorhanden, die das Denkmal wenig;- 
stens der Kimonischen Zeit zusprechen. Wie wir von dem Baumeister 
keine Kunde haben, so schweigen auch die Nachrichten über die Bild- 
hauer, welche die plastische Aussehmüclttmg gearbeitet haben. Im 
Charakter dieser trefflichcn Werke liegt Etwas, das die Vermuthuiig nahe 
bringt, der jugendliche Phidias habe einen bedeutenden Theil an ihrer 
Ausführung genommen. Doch wollen wir damit nur die Stufe angedeutet 
haben, welche sie im Vcrhältniss zu den Parthenonseulpturen einnehmen. 
Da die Gruppen der Giebclfelder völlig verschwunden sind, so haben 
wir mit den Metop (enrelicf s zu beginnend). Dieselben finden sich nur 
in den zehn Metopen der östlichen Seite und den je vier benachbarten der 
anstossendcn Süd- und Nordseite. Alle übrigen Metopen sind glatt ge- 
wesen; vielleicht hatten sie aufgemalte Darstellungen, vielleicht auch 
waren sie ganz bildlos. Merkwürdig ist mm, dass die zehn Biotopen der 
Vorderseite den Arbeiten des Herakles, die lacht anstossenden dagegen 
den Thaten des Theseus gewidmet sind. Man sieht des IIerakles Kämpfe 
mit dem ncmeisehen Löwen, der lernäischen Hydra, die Einfangung der 
kerynitisehen Hirschkuh, die Ueberbringung des erymanthischeii Ebcrs, 
die Bändigtmg der Rosse des Diomedes, die Bezwingung des Kerberos, 
den Kampf mit Kyknos, die GOWiIIDUDg des Gürtels der Hippolyta, den 
Kampf mit dem dreileibigen Geryon und die Erlangung der Hesperiden- 
apfel. Die Scenen aus dem Leben des 'I'hesens sind nicht alle mit Sicher- 
heit zu bestimmen, doch erkennt man die Besiegnng des ülinotauros, die 
in Stuarts' Antiquitics III.
        

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