Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Plastik von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1636711
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1638490
Zweites: Ka] 
ritel. 
Die grioch 
ischc 
Plastik. 
Geschich 
1e Entwicklung. 
125 
Styl des Phidias auch ihren Werktan meistens einen Hauch der gleichen 
Stimmung verliehen haben, ganz ähnlich wie wir auch den Geist Rafaels 
im sechzehnten Jahrhundert ebenso unwiderstehlich fast in allen Kunst- 
schulen Italiens, unbeschadet ihrer eignen eharzikteristischen Entfaltung; 
eindringen und überall eine Modification der verschiedenen Richtungen 
bewirken sehen. 
Lykios, der Sohn und Schüler Myrons, scheint gegen 420 geblüht 
zu haben. In diese Zeit wenigstens ist sein Hauptwerk, eine figurenreiche 
Erzgruppe zu setzen, welche die Bürger von Apollonia im ionischen 
Kleinasiexi wiegen eines Sieges nach Olympia stifteten. Es war eine Frei- 
gruppe von (lreizehn Figuren, auf halbkreisförmiger Basis aufgestellt. 
Sie schilderte den Moment vor dem Ausbruch des Kampfes zwischen 
Aehill und hlemnon. Die beiden Gegner standen auf den äusserstcn 
Flügelcnden des Halbkreises kampfgcrüstet und in Erwartung einander 
gegenüber. Die Mitte der Composition nahm Zeus ein, unter dessen 
höchster Aufsicht der Zweikampf vor sich gehen sollte. Neben ihm Beh- 
ten die Mütter (ier beiden Heroen, Thetis und Hemera, den Vater der 
Götter um Beistand für ihre Söhne an. Zwischen dieser hiittelgruppe und 
den beiden Kampfein waren vier Helden der Griechen eben so vielen der 
Trojer gegenübergestellt: Odysseus dem Hclenos, als die Weisesten der 
beiden Heere, lilenelaos seinem alten Todfeinde dem Paris, Dioniedes 
dem Aeneas, _A_jas der Telamonier dem Deiphobos. Es lässt sieh denken, 
dass jede Gestalt in scharfer lebensvoller Charakteristik durchgeführt 
War. Ausserdem wird von Lykios die Erzstatue eines Knaben mit dem 
Weihwasserbeekcn erwähnt und ein Bäucherknabe, der VBYIÖSPIIOUÜQS 
Feuer wieder anblast: offenbar Genrebilder, deren Motive der Künstler 
aus den Verrichtungen der Tempelknaben geschöpft hatte, wie die italieni- 
schen Meister des fünfzehnten Jahrhunderts, die Donatello, Luca della 
Itobbia und Andere singende oder Weihbecken haltende Chorknaben zu 
bilden liebten. Das Anblasen der Kohlen ist zudem eine Thätigkeit, die 
dem Künstler Xieranlassung zu einem vielleicht gesteigerten Ausdruck 
derselben lebensvollen Natürlichkeit bot, wie sie an dem Läufer Ladas 
und dem Diskoswerfer seines Vaters so charakteristisch herxßortrat. 
Einer verwandten Riciitung scheint Kresilas angehört zu haben, ein 
jüngerer Zeitgenosse des Phidias. WVenigstens beweist die Statue eines 
Verwundeten, der in (len letzten Zügen lag, und "an dein man sehen 
könne, vvieviel vom Leben noch übrig Sei" eine nahe Beziehung zum 
Bildner des Lzuins. Kresilzis betheiligte sieh aiu-li mit Phidias, Polyklet 
und Phradmon an jenem Wettkampf in Amazonändarstellungen, von dem 
oben bereits die Rede. nur. Seine Amazone war verivundei't, wie Plinius
        

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