Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Plastik von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1636711
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1638465
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der Perspektive wusste er anzuwenden. Hierfür ist uns eine charakteri- 
stische Anekdote aus dem Alterthum überliefert. Die Athcner liessen einst 
(lurch Phidias und Alkamenes Statuen der Athene arbeiten, die sie auf 
Saulcn aufstellen wollten. Als die Bildsäulen fertig, aber noch nicht an 
dem bestimmten Orte aufgerichtet. waren, habe das Volk dem Werke des 
Alkamcnes den Vorzug gegeben: sobald sie aber auf ihren Säulen standen, 
sei das Urtheil sofort zu Gimsten des Phidias umgeschlagent). Man darf 
nach Alledem sagen, dass Phidias es gewesen, der die griechische Kunst 
zur Höhe geistiger Schönheit geführt, nachdem sie vorher hauptsächlich 
nur der Dnrchbildung des Körperlichen gewidmet; gewesen. Wie aber der 
geistige Gehalt'auch auf die Formenhüllc zurückwirkt, das ist nicht 
minder durch Phidias kund geworden, da das (trossztrtige seiner Formen 
und Gestalten früher nicht (lenkbar war. Ehe wir (lafür die Bmveise aus 
den erhalteneii Parthenonseulpturcn beibringen, haben wir uns nach (lcn 
Schülern des Meisters umzusehen. 
Die grösstc Bedeutung unter ihnen hat offenbar der Athener Alkamcucs 
gehabt. Wir wissen von ihm, dass er die Statuengruppe des Westgicbels 
am Zcustcmpel zu (llympizt geschaffen. Ohne Zweifel gehörte er also zu 
den mit Phidias (lorthin berufenen Künstlern. Sodann arbeitete er, ver- 
llllltllllC-il um 402, die Statuen der Athene und des Herakles, welche 
Thrasybul sammt seinen Genossen in den Ileraklestempel zu 'l'hebcn 
wcihten, zum Danke dafür, dass von dieser Stadt aus ihnen die Befreiung 
ihres Vaterlandes von den (lrcissig Tyrannen gelungen war. Alkamentas 
wird hauptsächlich als Erzbildner gerühmt, obwohl die genannten und 
noch andre seiner Werke in hlarmor ausgeführt waren, und ein läionysos 
in Athen von ihm aus (Jold und Elfenbein gebildet wurde. Erscheint er 
also in Vielseitigkeit der technischen lllcistcrsidiaft als würdiger Schüler 
des Phidias, so steht er demselben offenbar noch naher (lurch den geisti- 
gen Gehalt seiner Werke. Alkamenes war, wie Phidias, vor Allem Götter- 
bildner, und wenn wir auch von seinen Schöpfungen keine Anschauung 
haben, so dürfen wir doelf aus den Aufgaben, die er löste, einen Schluss 
auf den Charakter seinenKunst machen. Da erscheint denn bezeichnend, 
dass er ausser Statuen der Athene, der Hekate und der Aphrodite Urania 
auch die von Phidias nicht behandelten Götter Asklepios, Dionysos, Ares, 
Hephastos und die Hera darstellte. An seinem Hephastos zu Athen be- 
wunderte man, dass der Künstler das Hinken leise anzudeuten verstanden, 
._jedoch nur zur Verstärkung der Charakteristik, ohne der YVürde des (iiOiiGS 
 Brunrp
        

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