Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Plastik von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1636711
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1638427
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Zweites Bucl 
sclnvundien, und nur die Stelle, wo die Basis gestanden, hat man neuer- 
dings auf dem Felsboden der Akropolis aufgefunden. 
Hatte Phidiats in diesem gepriesenen Werke die jungfräuliche Göttin 
der Weisheit, die friedliche, siegspendende Beschützerin Athens zu einem 
Oharakterbilde ausgeprägt, dessen llauptzüge in allen späteren Darstel- 
lungen der Göttin nachklingen, so wurde ihm in Olympia eine noch höhere 
Aufgabe zu Theil, ja die höchste, welche die hellenischc Anschauung; zu 
stellen hatte. Es galt für den Tempel zu Olympia ein Bild des Vaters der 
Götter und Menschen, des IYTerrschers im Olympos zu schaffen. Auch hier 
wurde das gewaltige, über vierzig Fuss hohe Werk aus Gold und Elfen- 
bein über einem hölzernen Kerne gebildet, aber nicht stehend wie die 
Athene, sondern auf einem prztchtvollen Throne sitzend. Ein Kranz von 
Oelzweigen krönte das Haupt. Die Linke hielt das Scepter, das den 
Adler, den Vogel des Zeus, trug; auf der ausgestreckten Rechten schwebte 
eine geflügelte Nike. So wurde der (flott, mit Beziehung auf die olym- 
pischen Spiele, gleich der Athene Parthenos, als Siegvcrleiher bezeichnet. 
Ein goldner Mantel, mit eingelegten Figuren undLilien gcschmüizkt, be- 
deckte die gewaltigen Forlnen.  Noch reicher als das Bildwerk selbst 
waren Thron und Schenlel des Gottes in Gold und Edelsteinen, Elfenbein 
und Ebenholz ausgeführt. Der Sitz hatte ausser den vier Füssen noch 
ebensoviele Säulen zur Unterstützung der ungeheuren Last des liolosses. 
An den Füssen waren vierundzwanzig Nikegestaltcn ztls 'l"iinzerinnen an- 
gebracht; an den Querriegeln, welche die Füsse miteinander verbanden 
und befestigten, sah man in lilinzeltiguren die acht alten Kampfarten, und 
ausserdem die Schlacht des Herakles und Thcseus gegen die Amazonen. 
Zwischen den unteren Theileil der Füsse waren Schranken angeordnet, 
(leeren Vorderseite nur blau gemalt war, da sie (lnreh die Füsse und den 
herabfallenden Mantel des Gottes grösstent-heils verdeckt wurden; an den 
drei übrigen Seiten (lagegen hatte Panaenos, des Phidias Neffe, neun 
Darstellungen aus der Ileroensagc gemalt. Ferner sah man, vielleicht 
an den Armlehnen, Sphinxgestalten, welche Knaben raubten, (iaruiltci- 
Apollo und Artemis, welche die Niobiden tödteten. An der Rücklehne 
waren die IIoren und Chariten, am Fusssehemel goldne Löwen und des 
'l'heseus Schlacht gegen die Amazonen angebracht. Endlich war auch 
die Basis, auf Welchender Thron sich erhob, mit Göttergestalten ganz 
bedeckt. 
Aus all dieser reichen Pracht muss sich um so feierlicher die maje- 
stätische Gestalt des Gottes hervorgehoben haben. Phidias hatte in ilnn 
nicht bloss den huldvollen, gütigen Allvater, sondern auch den gewaltigen 
Beherrscher des Olynlpos dargestellt. Er hatte sieh dabei der Schilderung
        

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