Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Plastik von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1636711
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1638416
Zweites Kapitel. 
Die griechische Plastik. 
Geschichtliche Entwicklung. 
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In der That gehören die beiden Hauptwerke, welche die Schöpfer- 
kraft seiner reiferen Jahre hcrxtorgebracht, dieser Richtung an. Die zweite 
lüpoche seiner Künstlcrlautbahn wird von den Arbeiten ausgefüllt, mit 
welchen die Akropolis zu Athen verherrlicht werden sollte. Perikles liess 
den von den Perscrn zerstörten Festtempel der jungfräulichen Schutz- 
göttin Athene, den Parthenon, neu und glänzender wieder aufbauen; 
Phidizis leitete nicht bloss alle damit verbundenen künstlerischen Unter- 
nclnmmgen, sondern er schuf auch mit einer zahlreichen Werkstatt den 
unermesslich reichen plastischen Schmuck des Parthenon. Vor Allem 
war von seiner Hand das kolossale goldelfenbcinerne Tempelbild der 
Athene. Es hatte eine Höhe von scchsundzwvanzig Ellen und stellte die 
Göttin nicht in ihrer kriegerischen Bedeutung, sondern als friedliche, sieg- 
verleihende dar. Aber auch von diesem NVcrke vermögen wir uns keine 
selbst nur in den Hanptsaehen genaue Vorstellung zu machen. NVir wissen, 
dass die Göttin stehend gebildet war, dass sie in den Händen eine goldene 
Nike und den Speer trug, dass der Schild nieder-gesetzt war, und zu ihren 
Füssen ein Abbild der heiligen Burgschlange sich befand. Die Nachbil- 
dungen und die lilünztlarstellungen geben uns über die Vertheihmg dieser 
Attribute keine Auskunft. Gehen wir aber davon aus, dass der Schild 
naturgemäss auf der linken Seite gestanden, und die rechte Hand die 
Nike gehalten habe, so xierlangt das künstlerische,Gleichgewicht, dass 
der linken Hand die Lanze, und der rechten Seite die Burgschlange zu- 
getheilt werde. Der Kopf muss von ernster, erhabener Schönheit gewesen 
sein. Den goldnen Helm, der ihn bedeckte, schmückte vorn eine Sphinx 
und auf beiden Seiten ein Greif. Auch die übrigen Theilc der Rüstung 
waren reich verziert. Die Brust umgab der Panzer mit dem Gorgoneion, 
das den furchtbar schönen Medusenkopf zeigte. Auf der inneren Seite des 
Schildes war der Kampf der Giganten gegen die Götter, auf der äusseren 
Seite die Amazonenschlacht dargestellt, in welcher Phidias sein Bild und 
das des Perikles angebracht hatte. Sogar den Rand der Sandalen der 
Göttin bedeckte ein Relief mit dem Kampfe der Lapithen und Kentauren, 
und an der Basis war die Geburt der Pandora im Beisein vieler Götter 
(ziselirt. Die nackten Thcile des Bildes waren aus Elfenbein, die Augen 
aus funkelnden Edelsteinen eingesetzt, die Gewänder, Waffen und der 
reiche Schmuck aus Gold getrieben. Das Gold allein repräsentirte die un- 
geheure Summe von vicrundvierzig Talenten, 786,500 Thalern unsres 
Geldes. Das Bild wurde 437 v. Ohr. vollendet; um 400 musste Aristokles 
die Basis restaurircn. Trotz theilweiser Beraubung durch den Tyrannen 
Laeharcs (296 n. Clhr.) stand es noch gegen Ende des viertenJahrhunderts 
unsrer Zeitrechnung in seiner Ilerrlirlikeit da. Seitdcnl ist es spurlos ver-
        

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