Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Plastik von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1636711
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1638392
Zweites Kzmpitcl. 
Die griechische Plastik. 
Geschichtliche Entwickh 
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dessen rechte I-Iantl bei den glänzenden künstlerischen Unternehmniigeii, 
mit welchen dieser das von Kimon angefangene Werk der Wiedergeburt 
Athens zu vollenden sich versetzte. Die Monumente der Akropolis er- 
standen nun, feierlicher tmd schöner als zuvor, aus der Asche, und was 
die entwickelte Kunst Neues und Herrliches zu bieten vermochte, das 
wurde zur Vermehrung; des Glanzes hinzugefügt. Als mit der Vollendung 
des Parthenon (437) Phidias die Arbeit seiner kräftigsten Manneszeit ab- 
geschlossen hatte, folgte er etwa in seinem dreiundsechzigsten Jahre 
einem Rufe nach Elis zur Aussehmüekung des Zeustenipels von Olympia. 
Ein zahlreiches Gefolge von Schülern begleitete ihn. Er wurde mit den 
grössten Ehren empfangen, und die Elcer erlaauten ihm im Tcmpelbezirk 
eine Xtierkstatt, die noch in späten Zeiten sorgsam unterhalten und mit 
Verehrung den Reisenden gezeigt uturdca. Nach Vollendung seiner Arbeit, 
der Kolossalstatue des olympischen Zeus, die an Grösse und Majestät alle 
seine früheren Werke übertraf, kehrte der Meister 432 nach Athen zu- 
rück. Dort hatte inzwischen die Leidenschaft der Parteien angefangen, 
sich gegen Perikles zu erheben. Sein Freund und Anhänger Phidias war 
das erste Opfer, an welchem die Kräfte der Opposition sieh erproben 
wollten. Er wurde angeklagt, von dem Golde, das zur Ausführung der 
Tempelstatue der Athene bestimmt gewesen, einen Theil veruntreut zu 
haben. Da aber, wie es heisst auf den Rath des Phidias, iniWirklichkcit 
aber in jedem clwyselephantinen Werke das Gold abnehmbar war, so 
konnte (lureh Wägen die Nichtigkeit jener Beschuldigung nachgewiesen 
werden. Da ward eine neue, noch gefährlichere Anklage ahf Gottesläste- 
rung erhoben, weil Phidias am Schilde der Göttin sein Bild und das des 
Perikles angebracht habe. Der grosse Meister ward in den Kerker ge- 
werfen, wo er kurze Zeit darauf, wie es heisst an Gift, etwa in seinem 
achtundsechzigsten Jahre, den Tod fand. 
Je dürftigcr diese Nachrichten über sein Leben sind, desto reicher 
iiiessen die Mittheilungen über die Welt von Kunstwerken, die er ge- 
schaffen. Wir können daraus nur das Wichtigste hervorheben. Seiner 
ersten Epoche gehören mehrere Werke an, deren Errichtung sieh unmit- 
telbar auf die Perser-kriege bezieht. So das Weihgesehenk, welches die 
Athcner wegen des Sieges bei lllarzithon nach Delphi stifteten. Es stellte 
in einer Freigruppe von dreizehn Erzstatuen den Miltiades, umgeben von 
Athene, Apollon und den Heroen Attika's, dar. Sodann arbeitete Phi- 
dias mehrere Kolossalbilder der Schutzgöttin Athens, (leren Gestalt zuerst 
in clntrakterxioller Weise geschaffen zu haben sein Verdienst ist. Dahin 
gehört das Gloldelfenbeinlaild der Athene im Tempel zu Pellene in 
Achaia, wie es scheint eins der frühesten Werke des Meisters; ferner die
        

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