Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Plastik von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1636711
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1638350
Zweites Kapitel. 
Die griec-Jüsehe Plastik. 
Geschichtliche Entwicklung. 
111 
des Körpers-in einer Anspannung zeigt, die im nächsten Augenblicke sich 
in eine neue Wendung auflösen muss. Solchen Werken gegenüber begreift 
man, dass die griechische Kunst damals jene höchste Freiheit in Auf- 
fassung und Darstellung des Körperlichen, in der Schilderung der schwie- 
rigsten und kühnsten Bewegungen erreicht hatte und dass ihr zur Voll- 
endung nur noch die geistige Ver- 
 tiefung, der gedankenvolle hihalt 
  eines Phidias fehlte. 
 ü;   Wienahe diese Zeit bereits 
  s.     den  beivunderten WMeisterwverken 
  .Ve  phidiassiseher Kunst stand, möge 
 Q   uns schlicsslieh eine vorzügliche 
 l i.    wir Marmor-platte des brittisehen Mu- 
  "e  i; jllll lt; seums zu London beweisen (Fig. 
    g 4e). In der Villa Hadrians bei 
 K F r  I1 Tivoli gefunden, stellt sie den Ka- 
 s'liq,lli 1'" stor als Rossebändiger (lar, wie 
 i'll,   er das feurig daher sprengcnde 
Wääza   j TW Thier am Zügel kräftig zurück 
Q 1,51:  M] reisst und mit der Wucht seines 
 A, 9 "hiiil zuiiiekgevvorfenen Körpers zum 
 {i  Stehen zu bringen sucht. Die 
 er?! Composition ist voll Leben und 
  f, y Schönheit, meisterhaft besonders 
 in dem Körper des Helden die 
f I" _ Ä  "xiiw-  doppelte Bewegung des Vorwärts- 
    Strebens und des Zurüekhalt-ens 
m;  Diskoswcrfer nach Mymm Rom  harmonisch verbunden, und nur in 
 der Bewegimg des Pferdes macht 
sich vielleicht der einsehiiinkeiide 
Relief des 
Russe- 
biindigcrs. 
Einfluss des Raumes bemerklich. Während die unübertreffliche Zart- 
heit der Umrisse und die geringe Erhebung des Reliefs den Parthe- 
neu-Friesen in nichts nachsteheu, ist um innerhalb der Fläche die 
Behandlung der Formen etwas treckner, magerer, die Modellirting 
härter und schärfer, wodurch der Eindruck jener idealen Anmuth und 
Weichheit, der in den Partheuousculpturen lebt, diesem so treffliehen 
NVerl-ze versagt laleibt. Doch erscheint es seinem ganzen Gepräge 
nach  als ein Erzeugniss attiseher Plastik, das uns die Behandlung 
Solcher "(legenstäindein der Zeit kurz vor Phidias' Auftreten vergegen- 
ivätrtigen mag.  
        

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