Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Plastik von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1636711
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1638284
104 
Buch. 
Zweites 
und F üsse der Weiblichen Gestalten. Die Figuren sind gedrungen, (larin 
den Aegineten nahestchend, jedoch nicht in so vorzüglicher Durchbildung, 
nicht in so vollkommneni Verständniss wie jene. Dagegen zeigt die Com- 
position, bei einer gewissen Befangenheit, die sich mehrfach noch geltend 
macht, überraschende Lebendigkeit und Frische, die in den Köpfen sogar 
bereits zu mannichfaltigem Ausdruck, zu einem freien, intelligenten Ge- 
präge gelangt, das dem starren Lächeln der Aegincten weit überlegen 
ist t). Es muss noch hervorgehoben werden, (lass der Typus der Köpfe 
dieselbe Grtuidlage zeigt, wie jene älteren selinuntischen Werke (S. 8G), 
nur dass die Formen lebensvoller, harmonischer, die Verhältnisse richtiger, 
die Augen kleiner, jedoch mit scharfen Lidern, die Lippen frei geschwungen, 
ja gesehwellt erscheinen. 
1 Ungefähr derselben Zeit wird nun auch das einzige bcdeutendere 
Werk angehören, das inis von einer Blüthe altgriechischer Kunst in 
Mittelitalien Zeugniss ablegt: das zu Ariecia gefundene, jetzt in der 
Sammlung Despuig auf Mayorca befindliche Marmorrelief des Orest, der 
seinen Vater rächt. Es besteht aus sechs Figuren, unter denen der 
tödtlich getroffen zusammenbrechende Aegisth als die beste, originellste 
erscheint. Ueber ihm schreitet der Rächer mit gezücktem Schwerte zu 
neuem Morde, jedoch noch in Ungewissheit und Zweifel, da die Mutter, 
die seine Schulter bittend mit der Hand erfasst, ihn um Schonlmg antieht. 
Neben ihr steht Elektra, die mit vielsagendenl Blick nach dem Bruder 
hinschaut, als wolle sie ihn in seinem Entschlusse bestärken; endlich an 
beiden Enden des Reliefs zwei klzigcnde Diener-innen, in deren Entsetzen 
sich der Eindruck der grausen That lebendig spiegelt. Auch in dieser 
merkxrürcligen Darstellung, die in der herben Linienführung und allen 
Aeusscrlichkeiten den strengen zzltcrthümlichen Styl nicht verleugnet, 
ringt eine nach freiercm Ausdruck und dramatischer Bclebiuig strebcnde 
Kunst sichtlich mit der Befangenheit der hergebrachten Auffassung der 
Körperformen. Daher sind die schreitenden Gestalten noch steif und ge- 
bunden, während die Figur des zusammenbrechentlen Acgisth geistvoll 
gedacht und trefflich durchgeführt ist.  Zwcifelhaft endlich erscheint es, 
ob das lurter dem Namen der Lcukothca bekannte Relief der Villa Albani 
bei Rom wirklich in allen Theilen acht alterthüinlich ist. Während die 
sitzende weibliche Gestalt, welcher eine andre ein Kind übergeben hat, 
auffallend an die Reliefs des Itlarlßyiendenkmals von Xanthos erimici-t, 
nicht in die Zeit von 
vermuthlich ohne An- 
a?) Schon aus diesem Grunde lassen sich diese Werke 
530-4320 v. Chr. hinuufdatiren, wie OIFBPIIIJCIi (I, S. 132), 
schnuung der Originale, gethan.
        

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