Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Plastik von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1636711
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1638278
Zweites Kapitel. 
Die griechische Plastik. 
Geschichtliche Entwicklung. 
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waren ferner der Brustpanzer, die Sandalen, der Gewandsaum der 
Athcna; Löcher in ihrem I-Ielmrand, in den Ohren,- in der Aegis deuten 
auf hinzugefügten Bronzesehmuek. 
Diesen bedeutenden Werken ohne Zweifel eines der grössten Meister Agäilgtfl-s 
von Aegina vermögen wir bis jetzt aus der gleichzeitigen Kunst der ioni- 
sehen Stamme kein auch nur armahernd gleich wichtiges gegenüber zu 
stellen. Dass jedoch diedamalige Kunst Attika's der äginetisehen nicht 
untergeordnet war, lasst sieh nicht allein aus den Nachrichten der Alten  
vermuthen, sondern selbst mit einzehien "Beispielen belegen. Zu den wich- 
tigsten gehört die auf (ler Akropolis zu Athen gefundene und ebcndort 
aufbewahrte Marmorplatte von etwa drei Fuss Höhe, auf welcher im zar- 
testen Flaehrelief eine wagcnlenkende weibliche Gestalt dargestellt ist  
Die Bewegung hat etwas Moinentanes, denn sie scheint eben den Wagen 
zu besteigen, hält aber, anmuthig vornüber gebeugt, mit den ausge- 
streckten Armen die Zügel des Gespannes. Ein in vielen Parallelfalten 
zicrlieh- herabfallendes Gewand umhüllt ihre Schultern und wallt bis über 
die Kniee nieder. Obwohl das schöne Werk sich in mangelhaftem Zu- 
stande der Erhaltung belindet, namentlich der Kopf stark gelitten hat, ist 
doch eine Anmuth darüber ausgegossen, eine Weichheit und ein Schmelz 
der zarten Umrisse erreicht, dass man den Zauber jener edlen Weiblich- 
keit emplindet, der später in noch höherer Kunstvollendung aus dem 
Friese des Parthenon zu uns spricht. Vielleicht dürfen wir in diesem mehr 
iimerlichen, weihevollen Wesen, in einer gewissen ethischen Schönheit und 
Reinheit, gegenüber den mehr auf kräftiges äusseres Handeln gerichteten 
üginetischen Gruppen, eine Eigenschaft attiseher Kunst erkennen. 
In einem Gegensatze  zu dieser attisehen Richtimg, dagegen den Jüngere 
Aegincten näherstehend, erscheint eine Anzahl von Metopenreliefs im Mäiiliilnt?" 
Museum zu Palermo, welche von zwei jüngeren, Wahrscheinlich dem 
zweiten Viertel des IV. Jahrhunderts angehörendenTempeln zu Selinunt 
stammentät"). Sie enthalten mehrere Scenen der Gigantenkampfe, bei denen 
ilamentlieh Athene kenntlich hervortritt; ferner eine überaus lebendige 
Darstellung des auf der Artemis Geheiss von seinen Hunden angefallenen 
Aktaon; sodann Herakles im Kampfe mit einer Amazone und die Zusam- 
menkunft des Zeus und der Hera auf dem Ida, wie sie Ilias XIV, 152 ff.  
 geschildert wird. Die Darstellungen sind in ltritftigem Relief gehalten und 
in einem stark verwitterten Kalktuü ausgeführt, mit Ausnahme der aus  
weissem lllarmor angesetzten und deshalb wohlerhalteneii Köpfe, Hände 
Aitischvs 
Relief. 
 Abgebildet in Sclzölläs Mittheilungen Taf. II. Fig. 4; und danach bei Overbecle 
Gesch. d. griech. Plastik. I. S. 129. 
"Ü Abgebildet in Serra(l1'falcu's Antiquitä dclla SiCiÜH. Taf. 28-34.
        

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