Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Plastik von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1636711
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1638238
Zweites Kapitel. 
Die grieghische Plastik. 
Geschichtliche Entwicklung. 
99 
Wichtiger als jene gar zu allgemeine Bezeichnung ist für unsre An- 
schauung die Auffindung der berühmten Giebclgruppen des Pallastempels 
von Aegina, welche im Jahre 1811 einer Gesellschaft von Archäologen 
gelang. Dies bedeutendste unter den erhaltenen Werken de'r Frühzeit 
(etwa zwischen 500, und 480 entstanden), erhielt durch Thorwaldsen eine- 
meisterhafte Restauration "imd wurde durch König Ludwig von Bayern 
für die Glyptothek in München erworben. Jedes der beiden Giebel- 
felder enthielt eine Gruppe von elf Mormorstatuen, von denen die des 
westlichen grösstentheils erhalten sind, nämlich zehn Figuren vollständig 
und von der elften die Bruchstücke, während vom östlichen noch fünf 
Statuen und ansehnliche Bruchstücke der übrigen vorhanden sind. In 
beiden Feldern wird eine Seene aus den Kämpfen der Griechen vor Troja 
dargestellt; beidemale ist es der Leichnam eines gefallenen Griechen, un1 
den ein Streit entbrennt, welcher durch das Dazwischentreten der Athene 
zu Gunsten der Griechen entschieden wird. 1m westlichen Giebelfelde hat 
man den Leichnam des Achill erkannt, welchen Ajax nebst Odysseus und 
andern Gefährten gegen die Tlrojaner verthcidigt; im östlichen gilt der 
Kampf dem gefallenen (likles, der von Tclamon und Herakles gegen 
Laomedon und andere Trojaner in Schutz genommen wird. Die Göttin 
steht hoch aufgerichtet in der Mitte des Giebelfeldcs und sucht mit vor- 
gehaltcnem Schild und halb gesenkter Lanze den Körper des Gefallenen 
zu (lecken (Fig. 35); dieser liegt zu ihren Fiissen hingestreckt, wie ihn 
eben das feindliche Geschoss niedergcwvorfcn hat, und ein trojanischer 
Krieger beugt sich vor, um ihn zu sich herüberzuziehen. Ein stark aus- 
schreitentler Tlrojaner (leckt _1nit dem Schilde und vertheidigt. mit l10cl1- 
gesehwungener Lanze dies Unternehmen (Fig. 38), indess ihm auf der 
anderen Seite in ähnlicher Stellung eineGrieche entgegeneilt (Fig.  
Auf diese beiden folgt jederseits ein knieender Bogcnschütz (Fig. 36 und 
 die einzigen von "den Kriegern, welche bekleidet sind, -und zwar der 
dlrojancr, in dessen Gestalt man den Paris erkennt, mit dem gebogenen 
phrygischen Ilelm und eng anschliessendem Lederpanzcr. Sodann kommt 
jedcrseits ein knieender Krieger, der sich stark vornüber beugt, um dem 
Stossc seiner Lanze Nachtlruck zu geben. Die aussersten Ecken des 
Gicbelfeldes endlich (Fig. 37. und 40) füllt je ein gefallener Krieger, von 
denen "der Eine sich bemüht, den Pfeil aus seiner Wunde herauszuziehen. 
Diese Composition, die sich mit geringen Abweichungen auf beiden 
Gicbelfeldern im Wesentlichen gleichlautend wiederholt, ist dem liatmie 
trefflich angepasst und mit einer strengen Symmetrie aufgebaut, in 
welcher nur die beiden Gestalten des Gefallenen und des nach ilnn Grei- 
femlcii eine Unterbreclnlng von freierer rhythmischer Anordnung veran- 
Gruppen des 
Tempels zu 
Aegin a. 
Die Com- 
position.
        

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