Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Plastik von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1636711
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1638164
Zweites Buch. 
Tlxonreliefs. 
Relief von 
Snmothrake. 
Denkmäler 
in 
Kleinasien. 
merkenswerth ist wieder die meisterhafte Ausfüllung des Raumes, das 
schöne Gleichgewicht in der Vertheilung der Massen und endlich die 
Spuren ehemaliger Bemalung. Die Grundfläche war roth, die Augenritncicr 
und die Pupille dunkel gefärbt und verschicdne Farbenspnrcii zeigen sich 
an den einzelnen Thcilen und Verzierungen der Rüstung. 
Wie hoch musste das Kunstgeftihl in jener Zeit schon gestiegen sein, 
wenn man einem sonst unbekannten schlichten attisehen Bürger solch einen 
Denkstein setzen konnte! Dieselbe Betrachtung wird in uns angeregt durch 
gewisse alterthümliche Reliefs von gebranntem Thon, welche man auf 
Inseln des ägaischen Meeres gefunden hat und die als lilrzeugnisse einer 
untergeordneten dlechnil: wichtige Kunde von der allgemeinen Verbreitung 
des Kunstsinnes geben. lilehrere solcher Arbeiten sind auf der dorischcn 
Insel Melos gefunden worden: die eine zeigt Perseus wie er dahin sprengt 
und, triumphiimtiicl sich umblickenil, den Kopf der eben cnthaupteteii Mc- 
dusa in (ler Iland hält; die hledusa kniet mit ausgebreiteten Flügeln und 
Armen unter dem ltosse, und aus ihrem Halse wächst Chrysaor hervor.  
Demselben phantastisch mythologischen Stotfgebict gehört ein zweites 
ebendort gefundenes Relief an, welches auf ganz ähnlich behandeltem 
Rosse Bcllerophon darstellt, wie er die Chimara. erlegt. Der _Styl dieser 
Reliefs ist streng und scharf, jedoch nicht so energisch, wie der einer 
andern auf Aegina gefundenen Tcrracotta, die indess die ziltertliüinliclic, 
an den Orient erinnernde Niorlicbe für phantastische Gestalten mit jenem 
gemein hat. Eine Göttin, vielleicht Hekate, oder die hyperboreische 
Artemis lenkt den mit (rinem prachtvollen Greifen bcspanntcn Wagen, 
welchen ein beilügelter Genius, xiiellciizht Eros, eben zu besteigen sucht: 
(rinc Composition voll Frische und Lebendigkeit.  
Ferner gehört hierher das bekannte zu Paris im Louvre befindliche, 
auf der Insel Samothrakc: gefundene hlarmorrcxlief, das sich (lureh beson- 
ders sehlichtcnßtyl und alterthüiiiliclie Inschriften auszeichnet. An einem 
Bruchstück, das einem Sessel oder ähnlichen Geräith angehört haben mag, 
zeigen sich in flachem Relief auf einem Sessel sitzend Agamemnon, und 
hinter ihm stehend, noch fast ganz in der Weise, wie man es auf assy- 
risehen Bildwerken sieht, 'l'althybios der Herold und Epeios. Das Relief 
ist sehr flach, die IIaltung der Personen steif und befangen, die Gesichter 
zeigen ein ausdrucksloses Litcheln; das Blumenornament, das den oberen 
Rand begleitet, steht den verwandten assyrisehen Formen näher als den 
griechischen. Gleichwohl wird die Arbeit schuterlich früher als in den 
Ausgang des sechsten Jahrhunderts zu setzen sein. 
Endlich bietetiauch Kleinasien eine Anzahl von Vicrkcn, imtci- denen 
einige sich den alterthümlichsten Erzeugnissen dieser Epoche anrcihen.
        

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