Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Plastik von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1636711
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1638083
Zweites Buch. 
M armor- 
arbeit. 
ms u. 
lis. 
Geist der Künstler auf die Ausbildung der Form und besonders auf för- 
derliche Bereicherung der Technik. 
In der griechischen Kunst tritt uns znnarehst eine Gruppe von 
Meistern entgegen, denen eine Reihe von tmrhniseheu Fortschritten zu- 
geschrieben wird. So erfindet der sikyonische Töpfer Bltlatlcs zu Korinth 
die Thonplastik, die er zum ersten Mal zum Schmuck der Teinpelgieliel 
anwendet. Für die Entwicklung der liletztllzu-beit verweisen uns die 
Uebcrliefcrnngen auf die ionisehen Inseln Klcinasiens. Glaukns von 
Chios soll schon im Beginn des siebenten Jahrhunderts die Lötluuig des 
Eisens erfunden haben. Wir haben keine Veranlassung, diese Zeit- 
angabe in Zweifel zu ziehen, da etwa ein halbes Jahrhundert spüter, um 
(530, Kaufleute von Samos zum Dank für die erste gelungene Fahrt nach 
dßirtressos in das IIeraion ihrer Vaterstadt ein kunstvolles lllischgetäiss 
stiftcten, das auf drei knieenden überlebensgrosscn Figuren ruhte. Diese 
lürziililuiig ist um so wichtiger, da es zwei samische Meister sind, R]!0ClCO.s' 
und Theodoroiv, von denen die cpochelnachcntle Erfindung des Erzgusses 
ausgeht. 
Aber auch die llrIarmoi-teclmik wird etwa seit der Mitte des siebenten 
Jahrluixulerts durch [Plelas auf Chios und dessen Sohn llfilrlciadtav zu 
künstlerischer Bedeutung erhoben. An diese Meister schliesst sich eine 
durch mehrere Generationen ununterbrochen fortgesetzte plastische Schule, 
21118 urclcher etwa um die Mitte des sechsten Jahrhunderts zivei berühmte 
Künstler Bupal0.s' und Alleenis hervorgehen. Von diesen beiden befanden 
sich zu Rein im Gicbelfelde des Apollotempels auf dem Palatin und an 
andren Bauten des Augustus zahlreiche Werke, welche der Kaiser aus 
(lrirwehenland hatte herbeiführen lassen. Man sieht daraus nicht bless, 
dass die Kunst der alten Meister von Chios schon vollständige marmorne 
Giebelgruppen zu bilden wusste, sondern dass diese Werke auch dem 
Kunstsinn einer späteren Zeit noch zu genügen im Stande waren. Dem 
entspricht auch die Nachricht, dass diese Künstler zu ihren Arbeiten be- 
reits den edelsten parischen hIarmor zu verwenden pflegten, der wegen 
seines krystallartig leuchtenden, fast (lurchsichtigcn Kornes für die Folge- 
zeit das Hauptlnaterial der griechischen Plastik geblieben ist. 
Weit berühmter aber war das kretische Künstlerpaar Dipoenos und 
Sllcyllis, um 580 geboren, nicht bloss in der llrlarmorarbcit erfahren, 
sondern auch in der Goldelfenbeintechnik bewandert. lVIf finden sie 
hauptsächlich im Pelopomles thätig, wie denn schon vor ihrer Zeit ein 
reger künstlerischer Wechselverkehr zwischen dem eigentlichen (ilriechen- 
lande, den Inseln und der kleinasiatischen Küste stattfand. hIehi-fzieh 
werden Gütterstatncn von ihnen aufgezählt, unter denen auch bereits eine
        

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