Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Malerei vom Anfang des 14. bis zum Ende des 18. Jahrhunderts
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1632113
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1633120
Florenz. 
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aus dem Leben des hl. Franciscus im Chor und eine Madonna 
nebst einer Kreuzigung in der Hieronynluskapelle von S. Fran- 
cesco zeigen ihn noch ganz im Bann seines Lehrers. Nach seiner 
1457 erfolgten Rückreise in die Heimat erfuhr jedoch seine Kunst 
unter dem Einlluss der mittlerweile in Florenz entstandenen Werke 
einen auffälligen Umschwung. Denn das Fresko des Zuges der 
drei Künige nach Bethlehem, mit welchem er die Palastkapelle 
der Mediceer (Pal. Riccardi) r459l6o zu schmücken hatte, zeigt 
in der prächtigen ritterlichen Cavalcade mit ihren porträtartigen 
Gestalten in reichem Kostüm, umgeben von Reisigen, Pagen und 
Jagdtieren in heiterer Landschaft die Bahnen Fra Fiesoles ver- 
lassen und den Künstler aus der religiäsen Sphäre in die weltliche der 
florentinischen Realisten übergegangen (K1. B. 698, 705). Macht sich 
dies auch in dem Marienaltarbild von 1461 aus S, Marco in Florenz, 
jetzt in der Nationalgalerie in London, weniger bemerklich, so wieder 
umsomehr in dem Freskencyklus ans dem Leben des hl. Atlgrxstin, 
welchen Benozzo nach seiner Übersiedlung nach S. Gimignano 
1464 im Chor von S. Agostino daselbst geschaffen (K1. B. 135). 
Seine damalige Annäherung an die Art Fra Ifilippos wurde übrigens 
vielleicht durch den Unastand unterstützt, dass er in S. Agostino 
sich der Beihilfe des sonst geringen Giusto d' Andrea, der Gehilfe 
des Lippi gewesen war, bediente. 
Seine bedeutendste Arbeit schuf jedoch Benozzo in den 
Jahren 146g_1485 im Campo Szmto zu Pisa. Die 21 alttesta- 
rnentlichen Darstellungen daselbst mit der Weinlese beginnend, 
welche rechts den Frevel Chams an dem trunlcenen Vater Noa 
darstellt und durch die verstohlene Neugier einer der Frauen 
(vergognosa di Pisa) populär geworden ist, vermochte er doch 
dieses erste durch kompositionellen und selbst landschaftlichen 
Reiz hervorragende Werk in den folgenden nicht mehr zu über- 
bieten. Doch befriedigen auch sie durch die Iiebenswürdige Plau- 
derei, bei welcher die genrehaften Nebensachen mehr erfreuen als 
die Hauptgruppen, an welchen der Mange] an echtem Ausdruck 
und anatomische Wie perspektivische Unrichtigkeiten mehr in die 
Augen springelu. Die Gegenstände des reichen Cyklus ausser dem 
genannten sind; Chams Verüuchung, der babylonische Turmbau, 
Abraham und die Balspriester, Abraham und Loth, Abrahan1s 
Sieg, Hagar, Sodoma, Opfer Isaaks, Rebekka, Geburt von Esau 
und Jacob, Geschichte Iakobs, Versühnung mit Esau, Geschichte 
Josephs, Joseph in Egypten, Geschichte Mosis, Pharaos Unter- 
gang, Gesetzgebung, Zug durch die Wüste, Fall Jerichos, Känigin 
von Saba. Die aus diesem Cyklus erwachsene Popularität erwarb
        

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