Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Malerei vom Anfang des 14. bis zum Ende des 18. Jahrhunderts
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1632113
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1633087
Florenz. 
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ChristiÜ: in der Nationalgalerie zu London (K1. B. 713) und 
der in den Hauptüguren hochpathetischen vBeweinung Christicc 
in der Pinakothek zu München (K1. B. 714), so dürfen wir 
schliesslich auch nicht verschweigen, dass der Meister in den 
letzten Jahren seines bis zum 17. Mai 1510 reichenden Lebens 
durch mechanisches Produzieren und Reproduzieren seine vorher 
hochgeachtete Stellung verlor. 
Wie Botticelli, so war auch Filippino Lippi aus Fra 
Filippos Schule hervorgegangen. Freilich nicht unmittelbar, denn 
der 1458 zu Prato geborne Sohn des Fra Filippo konnte nur die 
Unterweisung des Gehilfen seines Vaters, nämlich des Fra Diamante, 
geniessen, verrät aber bald den Einfluss seines Genossen Botticelli. 
Der Auftrag, die Malereien Masaccios in der Brancaccikapelle 
des Carmine zu Florenz zu vollenden, leitete ihn aufs Fresko, 
und es kann nicht geleugnet werden, dass er sich der schweren 
Aufgabe, einen Masaccio fortzusetzen, anerkennenswert entledigt 
habe. Der wBesuch Pauli bei dem gefangenen Petrusx, nPetri 
Befreiunga wie dessen vVerurteilung und Kreuzigunge lassen zwar 
seine Inferiorität im Vergleich mit dem grossartigen Stile des Alt- 
meisters der Renaissance nicht verkennen, aber die Handlung 
ist dramatisch wirksam, die Porträtartigkeit der Bildnisse frappant. 
Von anmutiger Lebendigkeit und noch ohne fühlbare Über- 
treibungen sind dann die wVision des hl. Bernharda von 1480, in 
der Badia von Florenz (K1. B.  die vMadonnena aus dem 
Saal der Acht von 1485, jetzt in den Uffrzien, und in S. Spirito 
zu Florenz. Auch die Fresken zur vLegende des hl. T homas von 
Aquine, welche der Künstler in S. Maria. sopra Minerva zu Rom 
ausführte, zeigen bei einiger Flüchtigkeit noch tüchtige Quali- 
täten. Ziemlich manieriert aber erscheint des Altarbild mit der 
wErscheinung Chnsti bei Maries, 1495 für San Francesco del 
Palco in Prato gemalt (Pinakothek in München) (K1. B. 607) die 
aAnbetung der Künigea von r4g6 in den Ufiizien (K1. B. 578) und 
die vVerlobung der hl. Katharinac von 1501 in S. Domenico 
zu Bologna. Die ilüchtige Nachlässigkeit dieses Bildes zeigt sich in 
dem Freskenschmuck der Capelle Strozzi in S. Maria Novella. zu 
Florenz mit übertriebener Bewegung und bunter Wunderlichkeit 
der Kostüme und Architekturen verbunden, welche den Darstel- 
lungen der rAuferweckung der Drusianarc (K1. B. 692) und des 
vMartyriums des hl. Johannes Evw einerseits wie des sSturzes der 
Gütterbilder durch Philippusc und des vMartyriums dieses Apostelse 
eine barocke Verwilderung aufprägen, wie sie sonst dem Horentini- 
schen Quattrocento unbekannt ist. Filippino starb am 13. April r 504.
        

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