Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Malerei vom Anfang des 14. bis zum Ende des 18. Jahrhunderts
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1632113
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1633024
Florenz. 
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er auch bei der sich vor seinen Augen vollziehenden Ausmalung 
der Brancaccikapelle seiner Klosterkirche in den Diensten Masolinos 
und Masaccios gedacht werden darf. Im jahre 1430 jedoch 
erscheint er bereits mit dem Prädikat eines Malers, 1431 aber 
auch als aus dem Kloster verschwunden. 
Ohne auf seine in diese Zeit gelegte legendaüsche Ge- 
fangenschaft in der Berberei oder auf seinen angeblichen Auf- 
enthalt in Padua Gewicht zu legen, bezweifeln wir nicht, dass die 
Abenteuer- und Sinnenlust des entlaufenen aber bald wieder im 
geistlichen Gewand zu Florenz weiterlebenden Mänches seiner 
künstlerischen Entwicklung zugute kam. Seine von EinHüssen 
Masolinos und Fra Giovannis ausgehende Kunstanschauung er- 
weiterte sich durch sein offenes Auge für die Schünheit der 
Natur und vorab der weiblichen. Ein helles und durchsichtiges, 
weiches und süsses Kolorit verband sich harmonisch mit der irdischen' 
Lieblichkeit seiner zwar wenig korrekten aber reizvollen Zeichnung, 
welche sich ebenso in Gegensatz stellte zu dem klassischen Ernste 
der Werke Masaecios wie zu dem strengen Studium Uccellos und 
Castagnos, und namentlich zu einem mehr malerischerl Stile führte, als 
es der plastischerr Erziehung und Anschauung derletzteren müglich war. 
Seine frühest nachweisbaren Werke  die Malereien im 
Karmelitenkloster gingen wahrscheinlich durch den Brand von 
1771 zu Grunde  zeigen diese Eigenschaften noch mit fühlbaren 
Zeichengebrechen verbunden. Die xAnbetung des Kindesa und die 
wGeburt Christix in der Akademie zu Florenz, die wGeburt Christia in 
der Galerie zu Berlin, die xVerkündigungcr in der Galerie zu 
München (K1. B. 541) und in der Nationalgalerie zu London, 
die wMadonna mit Heiligenx i1n Louvre und die vKrünung Mariäv) 
im Lateran-Museum verraten noch starke Abhängigkeit von 
Fra Giovanni, wenn auch bei weicherem Kolorit und gesteigertervu 
Realismus. Erst. mit der xKrünung Mariäa von 1441 in der 
Akademie zu Florenz offenbart Fra Filippo ein Hinausgehen über 
die frühere bescheidene Zeichnung und mehr Berührtsein von den 
Errungenschaften seiner Zeitgenossen in der Bildhauerei wie Malerei. 
Mehr als alle früheren Arbeiten zeigt dieses' Bild auch den welt- 
lichen und sinnlichen Reiz, welcher, von Fra Filippo an die Stelle 
des rnystischen und keuschen eines Fra Giovanni gesetzt, seinen Ma- 
donnen, wie den Halbiiguren in den Ufüzien (K1. B. 326) und in 
München  ein von den Werken seines Kunstgenossen in San Marco 
grundverschiedenes Gepräge gab.  
Als Filippo eine Pfründe in Legnaja, die er auf Betrieb seines 
Günners Cosimo de' Medici im Jahre 1442 erhalten hatte,
        

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