Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Malerei vom Anfang des 14. bis zum Ende des 18. Jahrhunderts
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1632113
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1632940
Florenz, 
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wie die verhältnisznässige Kleinheit der Küpfe und Extremitäiten 
dem Masolino ferner als dem noch in der Entwicklung begriffenen 
Masaccio. Es folgte darauf das obere Gemälde der rechtsseitigen 
Wand mit der wWiedererweckung der Tabitaa und der vHeilung 
des Lahmen durch den hl. Petrusa, in welchem sich weitere Fort- 
schritte in Hinsicht auf Schünheit, Naturwahrheit und Mannigfaltig- 
keit wie an vornehmem Ausdruck entfalteten, die man an Masolinos 
sicher späteren Arbeiten (Castiglione d'O1ona) vermisst. Als das 
Hauptstück aber darf der vZinsgroschena (K1. B. 703) an der 
oberen Hälfte der Linkswand gelten, in welchem Bilde Masaccio 
wie in keinem früheren die Grossheit der Giottdschen Komposirion 
erreicht und zugleich den Weg monumentaler Schüpfungen seinen 
Nachfolgern bis Raphael bereitet. Die kräftige naturwahre Schün- 
heit der Formen, die Bewegungsfähigkeit der Gestalten, die 
energische Wahrheit und Tiefe des Ausdrucks, die würdige Geberde, 
der breite plastische Reichtum der Drapierung, zeigt die Malerei 
vüllig gleichen Schrittes auf dem von den drei grossen Renaissance- 
bildhauern jener Zeit beschrittenen Wege. Dazu gewinnt die 
Malerei bereits einen gewissen Grad von Helldunkel und lässt 
auch über die Beobachtung der Luftperspektive in der Land- 
schaft keinen Zweifel. 
S0 auffallend der Fortschritt vom ersten Bilde des Cyklus 
(Sündenfall) bis zu dem letztgenannten auch ist, so erscheint 
doch der Gegensatz nirgend schlagender als zwischen dem 
wSündenfallx und der gegenüber an der Jinksseitigen Eingangs- 
laibung gemalten wVertreibung aus dem Paradiesea. Denn da. 
beiderseits dieselben Personen zur Darstellung gelangen, stellt 
sich in dem letzteren die künstlerische Freiheit und Wahrheit 
in Komposition, Formgebung, Bewegung und Ausdruck der noch 
unlebendigen Gebundenheit, Schüchternheit und Mangelhaftigkeit 
um so sprechender gegenüber. Dieselben Vorzüge zeigen die wPredigt 
des Apostels Petruse und der naufende Petrusa links und rechts 
vom Altar an der Schlusswand der Kapelle: die gedankenvolle 
Aufmerksamkeit der Hürer in dem einen Bilde erscheint ebenso 
wahr empfunden und wiedergegeben, wie das früstelnde Harren 
der entkleideten tadellos gezeichneten Täuüinge. Und kaum geringer 
erscheinen auch die beiden unterhalb dieser an der Altarwand 
angebrachten Ge1nälde vPetri Krankenheilunga und zAhnosen- 
spendea. Das Doppelbild vAuferweckung des Künigssohnes durch 
Petrusa und wPetrus auf der Cathedrae (K1. B. 716), unter 
dem vZinsgrdschenr an der linken Seitenwand befmdlich, voll- 
endete Masaccio nur mehr bis auf einige Figuren der Mitte und
        

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