Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Malerei vom Anfang des 14. bis zum Ende des 18. Jahrhunderts
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1632113
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1632933
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Die 
Italiens 
Malerei 
im 
Quattrocento. 
scheinen die xKreuzigunge und die wGeschichte der hl. Katharinaa 
daselbst die Behauptung Vasaris, dass dieser Freskencyklus von 
Masaccio herrühre, zu bestätigen. Denn während nicht ver- 
kannt werden kann, dass die Gemälde der Art Masolinos 
noch sehr nahe stehen, wie dies bei dem damals zwanzig- 
jährigen Schüler, der vielleicht von Masolino selbst dem ihm 
bekannten Stifter Cardinal Branda Castiglione empfohlen worden 
ist, ganz begreiüich erscheint, geht doch das Kürperstudiuruu, die 
Lebendigkeit der Handlung, die leidenschaftliche Bewegung, 
ja selbst die- Perspektive und Architekturdarstellung bereits 
merklich über das hinaus, was Masolino einige jahre später 
für denselben Besteller in Castiglione d'O1ona zu leisten ver- 
mochte. 
Man darf annehmen, dass Masaccio um 1422 von Rom 
wieder nach Florenz zurückkehrte, wo eben infolge einer von 
Felice Brancacci ausgehenden testzunentarischen Stiftung einer 
Kapelle der Karmelitenkirche zu Florenz Masolino den Auftrag 
erhalten hatte, diese auszumalen. Masolino scheint jedoch 
nicht weit über die jetzt verschwundenen Gewülbemalereien 
hinausgekommen zu sein, als er sich entschloss, der Einladung 
des Filippo Scolari (Pippo Spano) zufolge, sich auf mehrere 
Jahre nach Ungarn zu begeben, wo er sich besser gelohnter 
Arbeit versehen mochte, als sie die Brancacci-Kapelle dargeboten 
haben dürfte. Die rümischen Erfolge des zu so gelegener Zeit 
zurückgekehrten einstigen Schülers mochten Masolino berechtigen, 
den Masaccio ais Nachfolger für die begonnene Arbeit viel- 
leicht zum zweitenmale zu elnpfehlen, und so entstand jener 
folgenreiche Freskencyklus, der in rapider Steigerung des künst- 
lerischen Vermügens des jungen Meisters die italienische Malerei 
in eine neue Epoche versetzte und als das Erstlingswerk der 
Renaissance in der Malerei die Kunst des Pinsels den gleich- 
zeitigen Leistungen der Plastik und Architektur würdig an die 
Seite stellte. 
Ohne Zxveifel begann Masaccio mit der für den Eintretenden 
rechten Seitenwand der Kapelle, und zwar zunäichst mit dem 
xSündenfall der Stammelterne am oberen T eile der Laibung des 
Eingangsbogens. Das Bild steht mit der Art Masolinos in 
einiger Beziehung, sodass es noch zu den Arbeiten desselben 
gezählt worden ist, Allein abgesehen davon, dass es künstlerisch 
die direkte Fortsetzung des Freskencyklus von S. Clemente bildet, 
liegt es ebenso durch die Vorzüge klassischer Formstudien und 
plastischen Sehens wie anderseits auch durch seine Schwächen,
        

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