Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Malerei vom Anfang des 14. bis zum Ende des 18. Jahrhunderts
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1632113
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1632792
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Die 
Trecento. 
im 
Italiens 
Malerei 
Siena malte, und erreichte seinen Hohepunkt mit der 130g 
fentstandenen grossen Tafel für den Hochaltar des Doins zu 
Siena, dessen Überführung aus der Werkstatt sich zu einer 
denkwürdigen Prozession (19. Juni 1310) gestaltete. Das 4,2om 
lange 2,10 m hohe Bild, dessen abgesägte Vorderseite mit 
Madonna in der Glorie jetzt beim Ansano-Altar, und dessen 
Rückseite mit den 26 Passionsdarstellungen in der Sakraments- 
kapelle des Doms aufgestellt ist, zeigt einen erheblichen Fort- 
schritt der früheren byzantinischen Art gegenüber. Und zwar 
znicht bloss durch die sichere und sorgfältige Zeichnung und 
Malerei, durch die richtigeren Proportionen, schäneren Formen 
und einfache Vornehmheit der Gewanddarstelllung. Denn der 
Hauptvorzug liegt in dem wahren und liebenswürdigen Ausdruck 
in GesichLund Geberde, der an die Stelle der früheren Herb- 
heit getreten ist, und namentlich an der Madonna und den 
Engeln sich zu züchtiger Innigkeit der Empfmdung erhebt_ 
Trotzdem aber bleibt die Tradition in Auffassung, Kompo- 
sition und Formensprache massgebend, so dass die erwähnten 
Vorzüge mehr als eine Korrektur des Alten, denn als eine 
durchgreifende Neuerung erscheinen, worin der diametrale 
Gegensatz der florentinischen und der sienesischen Kunst von 
vorneherein begründet ist und bleibt. Wenn sich auch das 
Werk in dem angegebenen Sinne wie auch durch grüssere 
Energie und mehr Studium des Nackten von der voraus- 
gegangenen Kunst sehr vorteilhaft unterscheidet, so erinnert 
es doch durch Komposition und Technik allerwärts an die 
Wirkung der Mosaiken von Monreale, au die Malereien von 
IS. Angelo in Formis, und an die Miniaturen des Exultet der 
barberinischen Bibliothek. 
Neben dem Dombild Duccios spielen dessen übrige nach- 
weisbare Werke, wie die zKreuzigunga im Ospedale zu Siena, 
oder die nMadonnenK in der Akademie und in der Spitalkirche 
daselbst und in der Nationalgalerie zu London keine Rolle. 
Noch weniger jene der gleichzeitig mit Duccio thätigen siene- 
sischen Maler. Denn ein Ugolino, ein Segna di Bona- 
ventura und dessen Sohn Niccolo di Segna stehen in 
ihrer Oberüächlichkeit und Unselbständigkeit fühlbar unter 
Duccio, und der bessere unter ihnen, Ugolino, erscheint noch 
unentwegter als die übrigen in der sienesischen Abhängigkeit 
von byzantinischer Tradition. 
Einen bedeutenden Fortschritt machte aber Duccios Kunst 
durch Simone Martini, geb. 1283 zu Siena. Sein Haupt-
        

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