Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Malerei vom Anfang des 14. bis zum Ende des 18. Jahrhunderts
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1632113
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1635904
Rembrandt 
und 
seine 
Schule. 
341 
meist Greise darstellend, aus dem letzten Jahrzehnt seines Lebens. 
Und unter diesen ragt noch ein Regentenstück von 1661, die 
sog. vStaalmeestersQ, d. h. die Vorsteher der Tuchhalle, in einer 
Weise hervor, dass viele Kenner die fünf ernsten Männerbildnisse, 
welche hier an einem Tische vereint sind, für die hüchste und 
reichste Schüpfung des Künstlers halten, welche selbst der wNacht- 
wachea noch vorzuziehen sei. Zuerst versagt dann die zitternde 
Hand und (las geschwächte Augenlicht den Dienst zur Arbeit mit 
der Radiernadel, nachdem der Künstler noch 1661 in dem grossen 
Bildnis Coppenols eine seiner Meisterleistungen geschaffen. Länger 
währt seine Pinselthätigkeit, ans welcher noch 1667 das wGreisen- 
bildnisa bei Lord Northbroqk in London und 1668 die xGeisse- 
lung Christix in Darmstadt liervorging, die mit der wRückkehr des 
verlornen Sohnesa in St. Peterburg den Kreis von 350 Gemälden, 
welche neben favst ebensoviel Radierungen und noch mehr Hand- 
zeichnungen erhalten sind, würdig abschliesst. Der Meister beschloss 
sein Leben am 8. Sept. 166g, nachdem er kurz vorher noch seinem 
einzigen Sohn in das Grab gesehen. 
Die Zahl sei11er unmittelbaren Schüler, welche sich auch 
einen selbständigen Namen gemacht, ist nicht gering, noch grässer 
aber die Schar jener, welche seinen EinHuss empfanden. Zu den 
letzteren 1nüssen nun auch jene gezählt werden, welche man früher 
für seine ältesten Schüler hielt. So Ian Liev ensz, 1607 bis 1674, 
der, als ein geborner Leidener mit Rembrandt von Kindesbeinen 
an befreundet, zwar bei deln unbedeutenden Joris van Schooten 
in Leiden und bei Pieter Lastman in Amsterdam seine Lehrzeit 
durchgemacht, aber jedenfalls von Rembrandt mehr empfzmgen 
hatte als von den genannten Italisten. Übrigens empfmdet man 
in seinen dekorativen Malereien, wie in einem die xEnthaltsamkeit 
des Scipioc: darstellenden Kaminstück im Ratharlse zu Leiclen, 
oder in dem zParnasse des Huis ten Bosch, und in der wVerherr- 
lichung des Friedensa im Reichsmuseum, noch den akademischen 
Manierismus seiner Schule, während seine religiüsen Werke und 
seine Bildnisse fast ganz auf rembrandtischer Basis stehen.  Noch 
mehr fühlt man den EinHuss Rembrandts bei Salom on K oninck, 
1 6og_ 1 65 6, der aus Claes Moeyaerts Schule hervorgegangen, sich die 
Rembrandtische Art derart aneignete, dass seine Arbeiten mit jenen des 
Meisters verwechselt werclen konnten. Doch bleibt etwns Peinliches 
und Gequältes in seinen Werken, wie es allen Nachahmungen eigen ist. 
Der Zulauf eigentlicher Schüler aber scheint infolge des 
Rufes begonnen zu haben, welchen Rembrandt mit der Anatomie 
des Dr. Tulp erlangt luatte. Zu den ältesten Schülern im eigent-
        

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