Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Malerei vom Anfang des 14. bis zum Ende des 18. Jahrhunderts
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1632113
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1632705
Florenz. 
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Im Jahre 1350 von Künig Robert nach Neapel berufen, 
Wusste er auch dort die herrschende ziemlich lebhafte aber selbst 
in den Leistungen eines Montano d'A1'ezzo und Tommaso 
degli Stefani unentwickelte Malthätigkeit zu einem kräftigen 
Aufschwung zu erwecken. Sind auch von seinem wenigstens zwei- 
jährigen Aufenthalt am Golf von Neapel keine sicheren Werke 
mehr nachzuweisen, so erscheint dafür sein Einfluss neben jenem 
des ebenfalls einige Zeit für Neapel arbeitenden Simone da. Siena 
um so deutlicher. Als gesicherten neapolitanischen Schüler Giottos 
vermägen wir jedoch nur den Oderisio da Napoli nachzu- 
weisen, von welchem sich in der Sakristei von S. Francesco in 
Eboli eine bezeichnete Kruziüxtafel beündet; aber unter den 
erhaltenen giottesken Werken Neapels schienen die Gewülbe- 
malereien der lncoronata, wdie sieben Sakralnente und den 
Triumph der Kirchex darstellend, durch ihre Qualitäten den Ruhm 
zu verdienen, den sie nach Vasari als Werke Giottos selbst fälsch- 
lich in Anspruch nahmen. Seit bekannt geworden, dass die 
Kapelle erst 1352, so1nit 16 Jahre nach Giottos Tod erbaut 
worden, ist es indes ausser Zweifel, dass das Werk nur von einem 
der Schüler des Meisters herrühren kann. 
Im Iahre 1334 befand sich Giotto wieder in Florenz, nun 
zumeist als Architekt beschäftigt. Denn am 19. juli dieses Jahres 
wurde der Grundstein zum Campanile von S. Maria del Fiore 
gelegt, welche Perle italienischer Gotik sein Werk ist. Ghibertis 
Bericht macht ihn gleichzeitig zum Bildhauer; allein es ist nicht 
zu erweisen, dass die eigenartige und Wahrhaft klassische Schün- 
heit einiger" genialen Skulpturen am Campanile mehr als den 
Entwurf durch Giotto laedinge. Denn es bleibt wahrscheinlicher, dass 
die Ausführung dem Anclrea de Pontedera (Pisano) zuzuschreiben ist, 
dem Giotto auch schon bei der Ausführung einer Baptisteriulnspforte 
zeichnerisch behilüich war, und dem _auch nach Giottos Tode die 
Leitung des Campanilebaues zuüel. Auch kann, da zwischen der 
Grundsteinlegung des Campanile bis zum Todestage Giottos 
(8. jan. 1336) kaum anderthalb Jahre liegen, nicht angenommen 
werden, dass derlei plastische Vollendungsarbeiten noch von dem 
fersten Erbauer selbst zur Ausführung gelangten. 
Jedenfalls hatte mit Giotto die Kunst der Malerei, die in 
der Zeit der Begründer des 1alastischen Aufschwunges, eines Niccolo 
und Giovanni Pisano, weit hinter der Schwesterkunst zurückgeblieben 
war, jetzt zur vollen Ebenbürtigkeit mit der Meisselkunst, ja selbst 
zu einer gewissen Überlegenheit über dieselbe sich erhoben. Denn 
die Einwirkung C-iottos anf Andrea Pisano ist stärker als umgekehrt
        

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