Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Malerei vom Anfang des 14. bis zum Ende des 18. Jahrhunderts
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1632113
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1635206
Die 
bolognesische 
Schule. 
27x 
maltes Rahmenwerk gegliedert, welches in Architektur und Aus- 
schmückung zwar an die Gliederungen des Gewülbes der sixtinischen 
Kapelle gemahnt, aber sich doch selbständig an die damalige 
Barockarchitektur anschliesst. Dasselbe gilt von den Dekorativ- 
üguren, während die lebendige Zeichnung und Komposition wie 
das blühende Kolorit mit der vielfach auf Correggio zurückgehenden 
Lichtführung der Gemiilde selbst ebenso von dem kombinierten 
Programm der Caracci wie speziell von der glänzenden Begabung 
Annibales das günstigste Zeugnis giebt, Die Galerie Farnese 
darf unbedenklich als das bedeutendste Werk der ganzen Schule und 
als eine Leistung betmchtet werden, welche sich den Schüpfungen 
der grossen Cinquecentisten dem Werte nach mehr nähert, als die 
Malereien Giulio Romanes in Palazzo del Te zu Mantua. 
Hatte Annibale erst in der xMadonna mit Heiligenq von 
1592 wie in der ebenfalls jetzt im Louvre befmdlichen wAuf- 
erstehung Christie von 1593 den in früheren Arbeiten noch un- 
verlnittelterl Eklekticislnus abgeklärt und organisch verschmolzen 
gezeigt, so erwies er sich doch nicht vor den Tafelbildern, zu welchen 
er während der Arbeit in Palazzo Farnese Gelegenheit fand, als 
den ganzen und vollreifen Meister. Mit diesen aber entfaltete er 
eine Vielseitigkeit, die ihn den verschiedensten Aufgaben und 
Kunstzweigen gleich gewachsen zeigte. Denn auf gleicher Hühe, 
wie mythologische Bilder, stehen auch Altarwerke, wie die vI-limmel- 
fahrt Mariär: in S. Maria del Popolo, oder die vMadonna. mit 
dem hl. Gregorcc in der Bridgewater-Galerie zu London. Und ebenso 
kraftvoll wie das Bildnis, in dessen Gebiet der lautenspielende 
wGiov. Gabriellee (il Mascarone) in der Dresdener Galerie oder 
sein Selbstbildnis in den Ufüzien hervorragt, vertrat er dann auch 
das Genrebild, wovon der wFleischerladenr in Oxford und das 
wBäuerliche Linsengerichte in Palazzo Colonna zu Rom Zeugnis 
giebt, der von ihm radierten Bologneser Strassenüguren nicht 
näher zu gedenken. Besonders aber kann er als der Begründer 
der italienischen Landschaftsmalerei betrachtet werden, welche 
durch ihren Einüuss auf P. Bril, Claude, Poussin, Dughet u, s. w. 
von umfassendster Bedeutung geworden ist. Die Galerie Doria 
in Rom wie die Galerien zu Madrid, Paris, St. Petersburg und 
Berlin bewahren noch treffliche Stücke, an denen zwar die deko- 
rative Absicht nicht zu leugnen, ebensowenig aber auch eine ge- 
wisse Grossartigkeit und stimmungsvolle Auffassung zu verkennen 
ist. Wie es scheint mehr durch Überarbeitung Awie wegen schlechter 
EntlOhnung seines Farnese-Werkes nerväs und schwermütig ge- 
worden, starb er schon 1609 in Rom.
        

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