Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Malerei vom Anfang des 14. bis zum Ende des 18. Jahrhunderts
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1632113
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1632657
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Malerei 
Die 
Trecento. 
im 
Italiens 
Fesseln seiner Zeit wie der allgemeinen Übung abzustreifen, so- 
ergiebt sich aus allem, dass sein Wirken sich mehr als eine Ver-- 
mittlung und als ein Übergang vom Alten zum Neuen darstellt, 
und dass er es in der Hauptsache doch seinem grossen Schüler" 
und Nachfolger überliess, den Bruch mit der verknücherten Ver- 
gangenheit vollkommen zu rnachen. 
Dies zeigen schon seine drei thronenden Madonnen, die" 
bedeutendste in S. Maria Novella zu Florenz, die geringere aus- 
S. Trinitä, jetzt in der Akademie zu Florenz, und das dem letzteren 
Bilde sehr ähnliche aber stark gescheuerte Werk aus S. Francesco 
in Pisa, jetzt irn Louvre zu Paris. Man gewahrt wohl in der 
schwärmerischen Melancholie und in der Neigung des Kopfes der 
Madonna ein Erwachen des vüllig erstorbenen Ausdrucks der- 
byzantinischen Kunst, aber das unrichtige Verhältnis des zu grossen 
Madonnenkopfes zu der übrigen Gestalt, Formen und Haltung" 
des Kindes und die Behandlung des Gewandes erscheinen noch 
ganz in der Tradition befangen. Den meisten Fortschritt zeigen 
die Engel, deren Küpfe weitab von dem überlieferten Typus in 
Zügen, Bewegung und Haar von nicht geringem Reize sind._ 
Sehen wir dann ganz ab von der durch Übermalung hinsichtlich 
ihres Urhebers zweifelhaft gewordenen Madonna in der National- 
galerie zu London 'oder von der wahrscheinlicb etwas später- 
entstandenen hl. Cäcilia aus S. Cecilia, jetzt in den Ufüzien in 
Florenz, so erscheint der Cruciüxus in S. Croce zu Florenz noch 
gebundener und traditioneller als die Madonnen. Ebenso scheint 
es sich mit dem Apsismosaik des Doms zu Pisa zu verhalten, 
dem letztnachweisbaren Werke des Meisters, mit welchem er 1301 
noch beschäftigt war. Allein an diesem erweckt mehr die Technik 
den Eindruck früherer Weise, denn Zeichnung, Ausdruck und 
Gewandung, ja sogar das Kolorit verraten bereits einen ent- 
schiedenen Fortschritt in der Richtung der Befreiung aus 
byzantinischen F esseln. 
Hatte aber die Wandmalerei die Bestimmung, das Haupb- 
feld der Entwicklung der italienischen Malerei überhaupt zu 
werden, so äusserte sich dies schon an den Arbeiten Cimabuesv 
in S. Francesco zu Assisi, Üvelcher Kirche die Rolle zu teiI 
wurde, das erste Werk der Vollreife italienischer Gotik in der 
Architektur und zugleich die Wiege der neugebornen italienischen 
Malerei zu werden. Wenn aber auch hier die ganze Ausmalung 
von Chor und Querschiff der Oberkirche für Cimabue in An- 
spruch genornmen werden kann, so ist ihr Zustand leider von der 
Art, dass ihre Beurteilung vielfach auseinandergeht. Das best-
        

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