Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Malerei vom Anfang des 14. bis zum Ende des 18. Jahrhunderts
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1632113
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1634610
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Die 
Walerei 
der Niederlande. 
bildchen zu kolorieren, durch das Studium der Werke seiner Vor- 
giinger seit den van Eyck und Rogier das ihm notwendig schei_ 
nende angeeignet zu haben. Auch kann, wenn eine alte Notiz 
(Molanus) von der Unterweisung durch einen Maler Rogier spricht, 
damit der berühmte Maler von T ournay schon aus zeitliehen 
Gründen nicht persünlich gemeint sein, und an dessen gleichnamigen 
Enkel zu denken ist bei dem in der ganzen übrigen Tradition 
als Autodidakt behandelten Künstler keineswegs notwendig. 1111 
Gegenteile erkliirt das vorausgegangene rauhere Kunsthandwerk, 
wie ein empirischer Entwickhlngsgang die von allen Vorgängern 
abweichende Eigenart des Künstlers leichter, ais ein strikter Schul- 
zusammenhang. Ausserdem erklärt sich daclurch dessen langsame 
Reife und der Übergang zur Meisterschaft erst in seinen dreissiger 
Jahren. 
Dass der vormalige Künstler in Schmiedeeisen seine Hand nicht 
mehr leicht zu der miniaturartigen Behandlung eines Memling zu 
bilden vermocht, wird ihm wohl einer der Gründe gewesen sein, die 
Zierlichkeit seiner Vorgünger gar nicht anzustreben, sondern sich 
fast ausschliesslich in der Darstellung von lebensgrossen Figuren 
zu ergehen. Dazu aber war ein gründliches Naturstudiilm no; 
wendig, das nicht mehr bloss sekundär einen gewissen Schu1idea1is_ 
mus zu begleiten und zu berichtigen batte, sondern zu unmitteL 
barer Verwendung kommen sollte. Die selbständige Naturbe0b_ 
achtung aber mochte ihm gerade durch die Uneingenommenheit 
von zeichnerischen und malerischen Methoden, wie von convem 
tionellen Werkstattauffassungen und Gepüogenheiten erleichtert 
worden sein, und zwar nicht bloss durch die Befreiung von einer 
traditioneilen Formensprache, sondern auch hinsichtlich der Farbe, 
welche gleichfalls und zwar am figürlichen wie ain landschaftlichen 
Teile zu einer ehrlicheren Realitiit kamen. S0 brachte es der 
geniale Autodidakt zu einer Kunst, Welche ohne Preisgabe del- 
nationaien Eigenart einen wesentiichen Fortschritt darstellte, und 
von unberechenbaren Folgen hätte werden kännen, wenn ihm 
gieichwertige "Ifalente nachgefolgt wiiren, und dazu nicht bald 
der italienische Einiiuss die ganze Entwicklung in andere Bahnen 
gelenkt häitte. 
Wir besitzen kein Werk, dessen Entstehung vor seinem 
50. Lebensjahr gesichert wiire. I)och zeigt noch das 1509 von- 
endete grosse Altarwerk aus der Peterskirche zu Lüwen, jetzt in 
der Brüsseler Galerie, sowohl in der vwhl. Sippec des Mittelbildes 
wie in den Szenen aus dem xLeben der Eltern Mariensr: auf den 
Flügeln Zusaxnxnenhiinge mit der vorausgegangenen Kunst der
        

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