Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Malerei vom Anfang des 14. bis zum Ende des 18. Jahrhunderts
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1632113
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1634318
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Die 
Malerei 
Italiens 
im 
Cinquecento. 
"V e celli, geb. 1477 zu Pieve di Cadore in den südlichen Alpen_ 
hängen. Zehnjährig nach Venedig in die Werkstatt des Mosaik_ 
arbeiters Seb. iZuccato, dann zu Gentile Bellini und endlich zu 
Giovanni Bellini gelangt, erscheint er erst in seinem dreissigsten 
Lebensjahr in seinem Berufe nachwveisbar und zwar neben Giorgione, 
vielleicht als dessen Gehilfe, bei den F assadenmalereien am Fondaco 
dei Tedeschi. Doch muss damals, wenn nicht kurz vorher auch 
das Altarstück des vh. Markus zwischen Cosmas und Damianug, 
Sebastian und Rochusa, welches sich in der Sakristei von S. Maria 
della Salute befindet, entstanden sein. Derselben Zeit entstammen augh 
die beiden früheren wMadonnenader kais. Galerie zu Wien, dem, 
der zZinsgroschena der Dresdener Galerie (K1. B. 441) ist 
1508 gemalt und sicher nicht älter als die genannten Werke_ 
Auch muss bald darauf jene Perle entstanden sein, welche untel. 
dem Namen vder himmlischen und irdischen Liebec (K1. B. 7 18) 
einen der Hauptschätze der Galerie Borghese in Rom bildet 
Dieses Werk aber setzt einen längeren Entwicklungsweg voraus, au; 
welchem allein der Künstler ein Ziel erreichen konnte, das liber 
der Leistungsfähigkeit aller Vorgänger und Zeitgenossen liegt 
Denn, wenn nicht dem Apelles, so ist vielleicht niemals die 
malerische Incarnation weiblicher Schünheit, wie sie uns ans 
diesem Bilde entgegenleuchtet, ähnlich gelungen, und die Vep 
bindung idealer und realer Vollkommenheit vom malerischen Stand- 
punkt aus reiner erreicht worden, wobei auch die sorgfältigste 
Durchbildung dem harmonischen Einklang des Ganzen, des flgür_ 
lichen wie des landschaftlichen Teiles keinen Eintrag thut. Kein 
Wunder, dass der Künstler nach Vollendung dieses Werkes, welche 
wohl annähernd mit dem T ode Giorgiones zusammenfällt, als der 
hervorragendste Meister Norditaliens dastand, ja. mit Ausnahme 
Raphaels in ganz Italien unüberboten. 
Es war jedenfalls die Ülmalerei, deren der Künstler 21n- 
Entfaltung seiner strahlenden Kunst bedurfte. Nach den erhaltenen 
Resten wenigstens blieben nicht bloss seine früheren, sondern auch 
die unmittelbar nach dem Borghese-Bild entstandenen Wand- 
malereien, deren Ausführung er wohl auch grüsstenteils anderen 
Händen überliess, weit hinter den Tafelbildern zurück, wie dies 
die Cyklen ans denr wMarienleben und der Kindheit Christia 1m 
Carmine und aus dem xAntoniuslebem in der Scuola del Santo zu 
Padua zeigen, Nur das Ülbild schien es zu ermüglichen, die 
frühere Gebundenheit abzustreifen, und die entsprechende k0111p0- 
sitionelle Leichtigkeit, namentlich aber jenen Farbenzauber zu en 
reichen, auf welchen Tizian von vorneherein alles gesetzt hatte.
        

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